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Wärmebild einer Kirche mit Kreuz, umgeben von Wohngebäuden in städtischer Umgebung.
20. Juni 2026
Lesezeit: 4 Minuten

Allgemein

Eignet sich die Manifesta16+Kirche Heilig-Geist als kühler Raum für die Nachbarschaft?

Der Frage, ob sich die Kirche Heilig-Geist in der Dortmunder Innenstadt-West in Hitzeperioden als kühler Raum für die Nachbarschaft geeignet wäre, gehen wir im Rahmen der Manifesta 16 + nach, die vom 21. Juni bis 4. Oktober 2026 im Ruhrgebiet stattfindet. Hier ein erster Einblick in die Geschehnisse von Svenja Noltemeyer.

Die katholische Kirche Heilig-Geist liegt am denkmalgeschützten städtebaulichen Ensemble des Althoffblocks, das aus ca. 2000 Wohneinheiten des Spar- und Bauvereins Dortmund genossenschaftlich betrieben wird. Das größte Wohnprojekt Dortmund ist um die 100 Jahre alt und beherbergt bereits zwei gemeinschaftlich genutzte Räumlichkeiten als nachbarschaftliche Treffpunkte. Sie wurde in den 1930er Jahren errichtet und nach 1945 baulich ergänzt.

Der erste Termin der Manifesta 16 + an der Heilig-Geist Kirche startete am 26. Mai bei 31 Grad Außentemperatur und die knapp 50 Teilnehmenden waren froh, in der Kirche bei 23 Grad sitzen zu können. Den emotionalen und körperlichen Impuls der Entlastung bei betreten des kühleren Raums war akustisch und visuell sichtbar und führte auch zu ersten Smalltalks unter den Teilnehmenden. An diesem Tag war Hitze kein Thema auf dem Podium, hatte aber indirekt doch den Weg zu uns gefunden.

Am 6. Juni kam ein Dutzend Studierende der Architektur der FH Dortmund vor Ort zusammen und erfasste per Ortsbegehung, Drohnen-Wärmebildern, Luftbildaufnahmen und der kühlen Orte Karte Dortmund heiße und kalte Orte – bei 21 Grad Außentemperatur und bewölktem Himmel war das gar nicht so einfach. Vertreter:innen aus der Nachbarschaft wurde anschließend mittels Quiz-Aufgaben ins Thema sensibilisiert, in dem u.a. Temperaturen schätzen sollten, die an unterschiedlichen Stellen gemessen wurde.

Aus lustig sich gegenseitig hochgestaffelten Antworten entstanden betroffene ernste Gesichter, da die utopisch klingenden Zahlen von 80 Grad Oberflächentemperatur auf asphaltierten Straßen (unser aller Aufenthaltsraum draußen) plötzlich reale Angaben wurden, die doch schockierten, da 26 Grad ja noch eine angenehmen Sommertemperatur ist und hier das Thema Hitze schon anfängt den Alltag zu beeinflussen. Wo halte ich mich auf? Wo mache ich Pause? Wo kann ich mich entspannen und mit Nachbarn plauschen? Und auch: Wo muss ich entlang (zur Haltestelle, zum Einkauf etc.), wo habe ich keine Alternativen und welche Maßnahmen wären geeignet, diese Räume zu kühlen?

Die Beteiligungsaktion führte zu einer Diskussion über mögliche Nutzen der kirchlichen Räume, die fachlich angeregt durch die Architekten mit Bedarfen und Wünschen aus der Nachbarschaft zu einer großen Mindmap führten – siehe Fotos. Deren Ergebnisse könnte man wie folgt zusammenfassen:

– Die grünen Räume rund um die Kirche – teilweise mit schönem, altem Baumbestand – eignen sich als nachbraschaftlicher Treffpunkt. Hier könnte urban Gardening eine Möglichkeit sein, gemeinsam in Kontakt zu kommen.
– Die große Parkfläche bietet Raum für gemeinschaftliche Aktivitäten wie Sport (Ausleihmöglichkeiten vor Ort, ggf. Bodenbemalung), Feste und Märkte (Kleidertausch etc.).
– Das Kirchenschiff bietet einen seltenen Raum der Ruhe, in dem man enstpannen kann, Inspiration bekommt und psychischen Ausgleich zur hektischen Außenwelt erfährt.
– Die Gemeinderäume bieten gemenschaftliche Infrastruktur (Küche, WC, Lager etc.) für verschiedene Veranstaltungsformate und gemeinsame Aktivitäten.

In einem durch überwiegend Wohnbebauung geprägtem Umfeld brauche es Gemeinschaftsfunktionen. Da der alltägliche Bedarf an Versorgung hier gedeckt ist, könnte sich die Kirche zum Dritten Ort entwickeln, der durch aktive Menschen der Nachbarschaft betrieben wird. Dabei muss die Frage beantwortet werden, ob die Kirche bereit wäre, ihre religiöse Nutzung stark einzuschränken und ob sie Dritter Ort werden möchte. Während des Gesprächs wurde dabei deutlich, dass die Beantwortung – in der hierarchischen und verzweigten Organisation der Kirchen – gar nicht so leicht zu finden sein wird.

Das Raumexperiment der Urbanisten im Rahmen des Plusprogramms der Manifesta 16 Ruhr wird am 9. Juli eröffnet. Hier kommen verschiedenste Personen aus unterschiedlichsten Aktivitätszusammenhängen zusammen. Informationen werden ausgetauscht und sich vernetzt. Wir Urbanisten versuchen dabei, Ideen zusammenzubringen und Wege der Umsetzung aufzuzeigen, bzw. fragliche Maßnahmen zu testen, um danach leichter Wege der dauerhaften Realisierung aufzuzeigen, die einen Mehrwert für die Nachbarschaft bedeuten würden und für die Kirchengemeinde tragbar wären. Diese werden wir zum Ende des Raumexperiments am 1. Oktober vorstellen und sind gespannt was im Anschluss passieren wird.

Hitzebilder: Uwe Grützner (vielen Dank!)

© Svenja Noltemeyer

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