Hintergrund und Ausgangslage
Grünzüge stellen ein wertvolles Instrument der nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung dar, stehen aber durch angespannte kommunale Haushalte sowie durch soziale und demografische Transformationen vor großen Herausforderungen. Genau hier setzt CoProGrün an: Das Forschungsprojekt untersuchte, wie Grünzüge durch die aktive Einbindung von Akteuren aus Wirtschaft, Landwirtschaft und Zivilgesellschaft langfristig gesichert, nachhaltig ausgerichtet und attraktiv gestaltet werden können.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) förderte das Projekt im Rahmen der Fördermaßnahme „Kommunen innovativ“, die Kommunen unterstützt, die im Verbund mit Wissenschaft nachhaltige Strategien für Ortsentwicklung, Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen erforschen und anwenden. Die wissenschaftliche Leitung lag beim Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur der RWTH Aachen unter Prof. Dr. Frank Lohrberg. Die Urbanisten wurden vom Regionalverband Ruhr mit einem Teil des Forschungsprojekts beauftragt.
CoProGrün greift das Konzept der Urbanen Agrikultur auf. Dieses schafft Zugang zu städtischen Akteuren jenseits der Verwaltung, die sich aus ökonomischen oder sozialen Motiven in die Gestaltung und Nutzung von Stadtraum einbringen. Die Akteure konsumieren den Grünzug nicht nur, sondern co-produzieren ihn durch innovative Bewirtschaftungs- und Beteiligungsformen. Am Beispiel des Grünzugs F der Metropole Ruhr – dem sogenannten Östlichen Emschertal – wurde in den Städten Dortmund, Castrop-Rauxel, Lünen und Waltrop erprobt, wie dieser Ansatz in die Praxis übersetzt werden kann.
Die Rolle der Urbanisten: Akteursansprache und Methodik
Die Urbanisten begleiteten vor allem die Ansprache und Einbindung der verschiedenen Akteure und konzipierten dafür geeignete Methodiken. Dabei stellte sich die Frage: Wann braucht es das persönliche Küchentischgespräch, wann die offene Planungswerkstatt? Ab Januar 2017 besuchten der Regionalverband Ruhr und die Urbanisten gemeinsam die Akteure des Grünzugs F, um bestehende Initiativen kennenzulernen und neue Mitstreiter*innen zu gewinnen.
Im Winter 2017/18 riefen die Urbanisten gemeinsam mit den Projektpartnern zu einem öffentlichen Ideenwettbewerb auf. Die Ideen reichten vom gemeinschaftlichen Anbau von Wein am Damm der Emscher über Pilzzucht auf Kaffeesatz und ein Baumpatenschaftskonzept bis hin zum Anlegen von Bienenweiden in Dortmund und geführten Fahrradtouren entlang der Emscher. Insgesamt wurden sieben Ideen und Projekte eingereicht, die am 14. März 2018 auf einer Projektbörse im Bürgerhaus Bövinghausen vorgestellt und prämiert wurden.
Die Federführung für die Urbanisten lag beim langjährigen Vereinsmitglied Carlos Tobisch, der das Projekt mit großem persönlichem Engagement leitete und wesentlich dazu beitrug, das Thema urbane Agrikultur im Ruhrgebiet zu verankern.
Ergebnisse und Wirkung
CoProGrün bündelte die Akteursinteressen zu Optionspfaden und entwickelte daraus gemeinsam mit den Akteuren Modellprojekte, die im Hinblick auf ihre Machbarkeit, ihren Mehrwert für den Grünzug und ihre Gestaltqualität untersucht und optimiert wurden. Zu den greifbaren Projektergebnissen zählen eine „Route der Agrarkultur“ – eine Fahrradroute, die die landwirtschaftliche Vielfalt rund um Dortmund erfahrbar macht –, eine Broschüre zu Gemeinschaftsgärten, Machbarkeitsstudien sowie ein Handlungsleitfaden, der bundesweit Anwendung finden soll.
CoProGrün steht exemplarisch für den Ansatz der Urbanisten, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Kommunen als gleichwertige Partner zusammenzubringen – und dabei nicht nur zu forschen, sondern konkrete Räume für Beteiligung und Co-Produktion zu öffnen.
Download PDF Ergebnisse des Ideenwettbewerbs
Download Broschüre „Gemeinschaftsgärten – Wer macht mit?“
























