Rückblick: Sommerfest im Uniongewerbehof

Bei wärmenden Sonnenstrahlen fand letzten Sonntag im Rahmen des Floh-, Künstler- und Pflanzenmarktes  zum zweiten Mal der Pflanzentauschmarkt im Union-Gewerbehof statt. Von Samen, über Setzlinge bis zu Zimmerpflanzen durfte alles getauscht werden. Der Tauschmarkt zeugte von regem Interesse und dementsprechend groß war das Angebot der Tauschware, die sich über den Tag verteilte. Vom eigenen Stand bis zu einzeln mitgebrachten Setzlingen in Gläsern war alles dabei. So ergab sich eine ausgewogene Vielfalt von Pflanzen aller Art.
Auch neugierige Gesichter besuchten den Markt und bestaunten das neue Gewächshaus, dass letzte Woche für das Aquaponik-Projekt fertiggestellt wurde. Im Großen und Ganzen glich der Tag einem gemütlichen Beisammensein mit Freunden, alten und neuen Gesichtern, viel Plausch und Austausch von Pflanzen-Knowhow.

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen bedanken, die es möglich gemacht haben diese Veranstaltung durchzuführen. Vielen Dank an den Union-Gewerbehof, Vitavia, Claudia, Flo, Nils, Jan, Marvin, Maria und an alle anderen, die dabei waren und teilgenommen haben!

Wer es bisher nicht geschafft hat das Gewächshaus zu begutachten ist herzlich eingeladen rumzukommen!

Agenda Siegel Nachhaltigkeit 2014 für Aquaponik-Projekt

Am 5. Dezember sind wir von der Stadt Dortmund für unsere Arbeit mit dem Agenda Siegel Nachhaltigkeit 2014 bedacht worden. Jan, Nils und Rolf haben die Urkunde und den Geldpreis im Rathaus entgegen genommen. Das Geld werden wir für die Version 2.0 unseres Aquaponiksystems einsetzen.

Unsere Aquaponik-Pläne für 2015

Der Frost kommt, unser System geht… in die Winterpause. Zeit für einen kleinen Rückblick und für einen ausführlichen Ausblick auf die kommende Saison.

Im Projekt Aquaponik können wir auf ein erfolgreiches Jahr zurück blicken. Bereits im August hatten wir auf UrbaneOasen zur Erntezeit berichtet. Unser System ist die zweite Saison über gut und stabil gelaufen. Wir haben auf ein anderes Fischfutter umgestellt, welches oben schwimmt statt abzusinken und mussten das Filterkonzept deswegen anpassen. Bei den Pflanzen haben wir immer noch experimentell bestückt, allerdings mit etwas mehr Planung als in der Saison 2013. Die Fischtankheizung, mit der wir die Temperatur des Wassers im Frühjahr leicht angehoben haben, hat insbesondere den Pflanzen gut getan. Wir hatten den Eindruck, dass sie mit einem deutlichen Vorsprung in das Jahr gegangen sind. Die Fische wurden von der Bachelorstudentin Vanessa nach einer Futterkurve kontrollierter gefüttert. Zunächst mit drei Prozent Fischgewicht, später mit spürbar weniger, als sich herausstellte, dass zwei Fütterungen am Tag bei dieser Menge trotzdem noch dazu führten, dass recht viel nicht verwertetes Futter im Grobfilter landete.

Fliegende Fischfarm

Für das Innovative Citizen Festival im U haben Jan und Nils ein transportfähiges Aquaponiksystem entworfen, dessen Bauteile vollständig in den Fischtank passen, welcher wiederum auf einer genormten Europalette platz findet. Die fliegende Fischfarm wurde im Zelt des Aussenbereichs präsentiert und hat zahlreiche Besucher fasziniert.

Jan Bunse zeigt Umweltamt Chili und Aquaponik Prototyp

Dieses System steht nun in unserem Aquaponiklabor im Keller und wird in der kommenden Saison zu einem Forschungssystem für unterschiedliche Beleuchtungen umgebaut werden.

Agenda Siegel Nachhaltigkeit 2014

Am 5. Dezember sind wir von der Stadt Dortmund für unsere Arbeit mit dem Agenda Siegel Nachhaltigkeit 2014 bedacht worden. Jan, Nils und Rolf haben die Urkunde und den Geldpreis im Rathaus entgegen genommen. Das Geld werden wir für die Version 2.0 unseres Aquaponiksystems einsetzen.

agendasiegel_nachhaltigkeit_2014

Und damit wären wir auch direkt beim Ausblick auf die Saison 2015. Wir haben mehrere Teilprojekte in der Röhre, von denen einige schon fest geplant sind, andere müssen noch ausgearbeitet und finanziert werden.

Aquaponik Unionviertel Version 2.0

Wir haben am bestehenden System eine Menge Erfahrungen gesammelt und im laufenden Betrieb das ein oder andere bereits geändert. Rückblickend darf man aber durchaus mit etwas Stolz feststellen, dass das erste Design sich als sehr brauchbar erwiesen hat.

Einige Dinge lassen sich aber nicht ohne Weiteres im Nachhinein ändern, so dass wir mit neuen Ideen und Verbesserungen eine zweite Version des Systems bauen werden. Von der Firma Vitavia, dazu später mehr, bekommen wir voraussichtlich ein neues Gewächshaus gestellt, das insgesamt hochwertiger ist und das durch eine flachere Dachneigung an den Seiten mehr Höhe für die Pflanzen hat.

Das neue System soll 16 statt 11 Quadratmeter haben, so dass wir es um 90° werden drehen müssen. Wir werden mehr Fläche von Phillips Lagerplatz benötigen. Er hat bereits zugestimmt, worüber wir uns ganz besonders freuen. Wir möchten verschiedene Beetsysteme realisieren, die im neuen System jeweils seitlich angeordnet sein werden. Der Union-Gewerbehof hat uns einen permanenten Wasseranschluss spendiert, worüber wir uns ebenfalls sehr freuen, weil nun die Gefahr, dass die Pumpen trocken laufen, eliminiert ist. Die Firma hei-tro GmbH spendiert ein passendes Magnetventil und einen Füllstandssensor, so dass wir eine automatisierte Nachfüllung werden löten können.

Parallel zum Entwurf des neuen Systems arbeiten wir an einem Schulungskonzept. Für interessierte Selbstbauer möchten wir einen ein- oder zweitägigen Crash-Kurs anbieten, in dem wir alle notwendigen Informationen, Tricks und Kniffe vemitteln, die zum Aufbau und Betrieb eines eigenen kleinen Aquaponiksystems notwendig sind. Der Kurs soll später gegebenenfalls in das Programm des Bildungsträgers KOBI integriert werden, mit dem Urbanisten seit kurzer Zeit eine Kooperation haben.

Dieses Teilprojekt ist bisher teilfinanziert. Wenn ihr uns unterstützen möchtet, dann freuen wir uns über Spenden mit dem Stichwort „Aquaponik“. Wenn ihr uns Urbanisten nachhaltiger fördern möchtet, dann denkt über eine Fördermitgliedschaft nach.

Entwicklung Heimaquaponik

Die Kooperation mit den beiden Firmen Vitavia und hei-tro beschränkt sich nicht auf die Unterstützung unseres neuen Systems. Wir arbeiten gerade an einem Kooperationsabkommen über die Entwicklung eines Heimaquaponiksystems, das über normale Distributionskanäle verkauft werden kann. Für uns ist das eine einmalige Chance, unsere Erkenntnisse wirklich in die breite Bevölkerung zu bringen und die Aquaponik auch für solche Menschen realisierbar zu machen, die mit Stichsäge und Lötkolben nicht wirklich vertraut sind. Es soll ein modulares System sein, das ausgetestet ist und gut funktioniert. Es müssen ja nicht alle immer wieder alle Dinge neu ausprobieren.

Aquaponiklabor

Für die Entwicklung werden wir Räumlichkeiten und Materialien am Standort von Vitavia in Dorstfeld gestellt bekommen. Detaillösungen werden wir im frisch eingerichteten Aquaponiklabor erarbeiten. Den Kellerraum unter unserem Büro stellt uns der Union-Gewerbehof kostenfrei zur Verfügung. Endlich haben wir einen dedizierten Raum mit Wasseranschluß für unser Aktivitäten. Wir freuen uns riesig.

Neuzugang Max im Team ist Doktor der Biologie. Er hat sich in seinen Studien ausgiebig mit Aquakulturen, wenn auch marinen, beschäftigt und bringt für uns wertvolles Know How und hohe Motivation mit. Er wird bei uns unter anderem das Thema Süßwasserkrebse auf die Tagesordnung bringen. Er hat Aquarien und Tiere, die im Aquaponiklabor ein neues Zuhause bekommen sollen. Süßwasserkrebse können eine sinnvolle Ergänzung in einem Aquaponiksystem sein, sind allerdings wegen ihres territorialen Verhaltens nicht ganz einfach zu halten. Man muss wissen was man tut. Er weiss es.

Schulbiologisches Zentrum

Durch Dezernent Stüdemann angeregt haben wir mehrere Gespräche mit Vertretern des Schulbiologischen Zentrums geführt. Eine Zeit lang war es sehr ruhig an dieser Bausstelle, und so waren wir durchaus überrascht, als Dr. Knopf nach einer Weile Stille auf uns zu kam und das Projekt wieder auf den Tisch brachte. Die Projektidee inkubierte dann munter vor sich hin und bewegte sich sehr langsam, auch durch uns verursacht, aber schlußendlich haben wir die Zusage für die Realisierung unseres Entwurfs bekommen. Im Bild sind die vertikalen Beete dargestellt, dazu kommen noch zwei Ebbe-und-Flut Beete.

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Bauspielfarm und Falken Recklinghausen

Noch sehr frisch ist eine Kooperation, die sich mit den Falken in Recklinghausen und deren Bauspielfarm abzeichnet. Die Falken haben Interesse daran, ein Aquaponiksystem in deren Gartenkonzept zu integrieren. Am System sollen den Kindern die Grundprinzipein einer nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion spielerisch nahe gebracht werden. Technische Konzeption und Realisierung werden die Urbanisten übernehmen, ein pädagogisches Konzept wird gemeinsam erarbeitet. Das Projekt soll mindestens zwei Jahre laufen, so dass es nicht nach einer Saison sofort wieder einschläft.

Momentan sind wir noch in der Projektskizzen-Phase, also ganz am Anfang. Mit der Skizze werden wir auf Fördergeber zugehen und versuchen eine Finanzierung zu bekommen. Wenn du also bei einem potentiellen Fördergeber arbeitest und diese Idee gut findest, dann kontaktiere uns doch bitte.

Ihr seht also, dass wir für das kommende Jahr viel vor haben. Wir sind fähig, willens und bereit.

Über Unterstützung jeglicher Art freuen wir uns, egal wie groß oder klein.

Einige Fragen an Nils Rehkop

Interview mit Nils Rehkop, 32 Jahre alt, Dipl.-Ing. der Raumplanung, seit April 2014 Mitglied der Urbanisten

Wie bist du auf die Urbanisten gekommen?

„Carlos, Vilim, Yvonne und Jan waren Kommilitonen von mir im selben Semester Raumplanung und von daher kannte ich die Arbeit der Urbanisten schon während des Studiums. Die klassische Raumplanung wie ich sie an der Uni gelernt habe, ist mir zu formell. Ich sehe da für mich nicht DIE Entfaltung, wenn ich n Parkplatz neben nem Einkaufscenter neben nem Wohngebiet planen muss.

Das ist mir zu statisch. Natürlich brauche ich meine Grundlagen, das ist klar. Dafür hab ich das ja auch gelernt. Aber die unbürokratische Vorgehensweise wenn es darum geht hier direkt im Quartier und unmittelbar mit den Nachbarn was auf die Beine zu stellen, das ist das, was mich antreibt und meine Lebensart wieder spiegelt.“

Und was genau stellst du hier auf die Beine?

„Als ich im Anfang des Jahres das erste Mal hier war, habe ich Rolf getroffen und mich mit ihm direkt ziemlich lange über das Thema Aquaponik und nachhaltige Lebensmittelproduktion in der Region unterhalten. Zu der Zeit stand hier die Pflanzentauschbörse kurz bevor. AP war mir bekannt, aber praktische Erfahrungen hatte ich gar keine. Nach und nach hab ich mir dann die Grundlagen draufgeschafft und so die Schlinge zum Outdoor-System im Union-Gewerbehof gezogen.

Die Kombination von Fisch- und Gemüsezucht auf schon vorhandenen Industrieflächen zur dezentralen Nahrungsmittelversorgung in Quartieren hat mich vor dem raumplanerischen Hintergrund angefixt. Aber auch das freie Arbeiten hier. Es wird nichts nach Schema X durchgezogen sondern momentan noch viel Pionierarbeit geleistet. Das führt zwangsläufig dazu, dass man während des Bastelns vor Probleme gestellt wird, die schnelle und angemessene Lösungen benötigen. Für die „Fliegende Fischfarm“ zum Beispiel hatten wir nen Alu-Rahmen gekauft, der nicht auf Anhieb passte. Die Lösung, die wir gefunden haben, war zwar nicht perfekt, aber immerhin weiß ich jetzt, dass ich in nächster Zeit nen Schweiß-Kurs besuchen werde.“

Was kommt als Nächstes?

„Jetzt aktuell mache ich die 3D-Visualisierungen für die Präsentation einer AP-Anlage für unser nächstes Projekt. Aber auch das Thema Stadtmöblierung interessiert mich sehr. Beim Projekt „Mach was gegen hässlich“ habe ich ja die Bänke gemacht und ich würde gerne noch andere Möbel aus dem selben Stecksystem herstellen und vielleicht auch irgendwann mal Workshops dazu geben. In letzter Zeit ist das ein wenig kurz gekommen, da ich noch eine CAD-Weiterbildung und halt Aquaponik gemacht habe.

Mein Ziel ist es, mit dem, was ich hier mache irgendwann mal meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, weil ich mich damit voll identifizieren kann. Ich bin froh, dass ich das hier für mich gefunden habe und es macht Spaß, morgens mit dem Gedanken aufzustehen.“

Die fliegende Fischfarm

Für die Mini Maker Faire, die heute um 16 Uhr im Rahmen der Wissensnacht Ruhr im Dortmunder U startet, haben wir einen neuen Aquaponik-Prototypen gebaut. Wir wollten das Prinzip der Nitrifikation von Fischkot in Pflanzennährstoffe in eine kompakte, mobile Form bringen. Unser Prototyp besetzt eine Fläche von Drei Quadratmetern, bietet bis zu 30 Fischen ein luftiges Zuhause und ermöglicht die Aufzucht von 18 Pflanzen. Das System kann in drei schaltbaren Modi gefahren werden: Im DWC-Modus gedeihen Salate und Blattgemüse, im EF-Modus wird das Wurzelwachstum von Sämlingen, Stecklingen und Jungpflanzen gefördert. Im NFT-Modus schließlich werden die erwachsenen Pflanzen zu üppiger Blütenbildung und Fruchtreifung angeregt. Theoretisch.

Denn wir müssen noch herausfinden, wie sich die im Vergleich zu unserem Gewächshaus veränderten Parameter auf den organischen Zersetzungsprozess und damit auch auf die Qualität der Nahrungsmittel auswirkt. Wir gewährleisten viel Sauerstoff im Wasser, was sich positiv auf die Aktivität der Nitroso-Bakterien, den Stoffwechsel der Fische und das Wachstum der Wurzeln auswirken sollte. Die recht große Wassermenge sollte für einen stabilen pH-Wert sorgen. Die angemessene Zuführung von Fischfutter und Spurenelementen ist allerdings noch unklar. Durch die leichte Bauform wird die verfügbare Oberfläche für die Bakterienkulturen stark verringert. Das beschränkt die Besatzdichte oder Futterquote, denn nun können weniger Ausscheidungen abgebaut werden.

Dieser Herausforderung kann auf zwei Weisen begegnet werden. In der komfortablen (gar veganen?) Weise greifen wir auf biologische Hydrodünger zurück, die passgenau auf die Pflanzenbedürfnisse zugeschnitten sind und betrachten die Fische als Freunde, nicht als Futter. Die aufwändige (gar ökologischere?) Weise fragt nach der Entwicklung einer Filterform, die bei großer Kompaktheit und geringem Pflegeaufwand eine gleichbleibend hohe Nährstoffkonversion, also Besatzdichte, ermöglicht. Wir sind daran interessiert, diese Fragen bis zum Beginn der Gewächshaussaison zu klären. Allerdings gibt es draußen wenig Licht (siehe unten) und kühle Temperaturen.

Wir müssen also in ein isoliertes Gebäude und die Pflanzen elektrisch beleuchten. Wenn ihr uns bei diesem Vorhaben unterstützen wollt, könnt ihr hier schnell und unkompliziert Fördermitglied der Urbanisten werden. Wenn ihr erstmal reden wollt, kommt doch im Laufe des Abends zur Maker Faire ins Dortmunder U. Dann bringen wir auch etwas Licht ins Dunkle.

Bereit für die nächste Herausforderung

Früher wurde im Pott unter der Erde malocht. Heute wird im Dortmunder Union-Gewerbehof über der Erde gegärtnert. Aquaponik ist hier kein Zechenlied, sondern Zukunftsmusik.

Von Janina Morgenstern und Glenn Vogt

Das Ende unserer zweiten Saison naht und Fische sowie Pflanzen erfreuen sich bester Gesundheit. Zeit, einmal Bilanz zu ziehen: Seit im August letzten Jahres 18 kleine Karpfen Einzug in unser System gehalten haben, betreiben wir endlich echte Aquaponik. Davor haben wir vier Monate damit verbracht, das 11 qm große Gewächshaus samt Innenausstattung aufzubauen. Dazu gehörten die Beete, die Fischtanks, die Verrohrung und natürlich die Sicherstellung von Elektrik und Wasserversorgung. Nicht zuletzt das Draufschaffen des nötigen Know-Hows, dabei konnte einiges auch erst bei laufendem Betrieb gelernt und ausprobiert werden – die richtige Nährstoffzufuhr, Vermeidung von Mangelerscheinungen, immer wieder die verschiedensten relevanten Messwerte prüfen und anpassen. Kurz: Es gab viele kleine Stellschrauben, an denen wir gedreht haben. Aber auch Kinderkrankheiten: Was tun bei Verdunstung im Hochsommer? Was macht man mit einem Fisch, der ständig aus dem Tank hüpfen will?

Nach der Indoor-Überwinterung des Systems im Büro der Urbanisten ging es dann im März diesen Jahres wieder ins Gewächshaus im Union Gewerbehof und damit in die zweite Anbausaison. Die nächsten Herausforderungen ließen nicht lange auf sich warten, und mit der Sichtung erster Blattläuse begann die Schädlingsbekämpfung in unserem System – natürlich chemiefrei und komplett Bio. Mithilfe von Nützlingen wie Florfliegenlarven, Raubmilben oder aber auch Neemöl haben wir es dann aber geschafft.

Verschiedenste Chili-Arten, Kräuter, seltene Salat- und Gemüsesorten, die man sonst nicht in dieser Vielfalt und Qualität im Supermarkt bekommt, reifen jedenfalls munter heran und warten mittlerweile auf ihre Ernte. Auch die Karpfen sind keine Babys mehr, sondern schlachtreif.

Frühe Serrano-Chilis

Frühe Serrano-Chilis

Karpfen

Hungriger Karpfen

Es stimmt uns stolz und dankbar, wenn man bedenkt wie viele Menschen tatkräftig mitgeholfen haben und mit leidenschaftlicher Motivation, Herzblut und in den richtigen Momenten daran gearbeitet haben, dass wir jetzt unser ganz eigenes Gemüse ernten können. Ohne Industrie. Ohne Transportwege. Ohne Chemie.

Natürlich hat das gemeinsame urbane Gärtnern auch viel Spaß gemacht und uns als Gemeinschaft gefestigt. Sogar aus dem einen oder anderen Neugierigen ist hinterher ein tatkräftiger Helfer geworden.

Aber so sehr uns unser kleines Pioniersystem am UGH ans Herz gewachsen ist – wir wollen (und können) mehr. Nach eineinhalb Jahren erfolgreicher Tests und satter Ernten ist es an der Zeit, die Vorteile der Aquaponik in einem größeren Rahmen auszuschöpfen und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

So können wir die kalte Jahreszeit für die Planungsarbeit nutzen. Unser Ziel ist es, im nächsten Frühjahr ein mindestens dreimal so großes System in Betrieb zu nehmen. Hier sollen nicht nur unser Verein sondern auch Anwohner und allgemein Interessierte die Möglichkeit bekommen, mit zu gärtnern und hinterher die lokal produzierten Früchte ihrer Arbeit zu genießen.

Herausforderungen wie Energiezufuhr und Pumpensystem für die nächste Stufe müssen neu dimensioniert werden, das Gärtnern selbst aber soll den Dortmundern überlassen werden.

Hier im Pott wurde schon immer kräftig angepackt – und Projekte wie das unsere können nicht nur vernachlässigte Industriebrachen wieder aufleben lassen und Nachbarschaften durch gemeinsames Gärtnern wieder zusammenschweißen. Langfristig ist erwiesenermaßen auch das wirtschaftliche Potenzial nicht zu unterschätzen. In einer Region, die eine Menge Menschen ernähren und beschäftigen muss, kann Aquaponik dem Strukturwandel eine Vision geben. Das sehen mittlerweile auch andere so.

Für das bestehende System kam alles aus eigener Tasche. Jetzt möchten wir auch anderen die Möglichkeit geben, sich an diesem oder auch anderen großartigen Projekten der Urbanisten in Dortmund zu beteiligen. So wie das Gärtnern in der Stadt Gemeinschaft fördert aber ohne eifrige Hände auch nicht möglich ist, so brauchen auch unsere zukünftigen Projekte die Hilfe wohlwollender Menschen im Hintergrund. Kleinvieh macht auch Mist und hier geht’s zur Fördermitgliedschaft.

Einige Fragen an Yvonne Johannsen

Yvonne & Anne bei den NRW Theatertagen 2014

Yvonne & Anne bei den NRW Theatertagen 2014

Yvonne Johannsen, 28 Jahre alt, Dipl.-Ing. der Raumplanung, seit 2012 Mitglied der Urbanisten

Woraus ziehst du Motivation für die Arbeit bei den Urbanisten?

„Viele der Aufgaben sind von Planung und Durchführung her so überschaubar, dass man nicht das Gefühl hat, vor einem riesigen Berg Arbeit zu stehen. Man weiß einfach, dass ein Projekt da anfängt und da aufhört. Also sieht man schnell das Ergebnis und somit auch den Erfolg einer Geschichte. Man kann sich einer Aktion nach der anderen widmen und nach und nach fügen sich all die kleinen Puzzleteile zu einem großen Bild zusammen. Vielen ist nicht bewusst, dass gerade Aktionen wie „Mach bunt“ oder „Energieverteiler im Althoffblock“ große Auswirkungen auf die Lebensqualität und den Zusammenhalt der Leute im Viertel haben. Dass dadurch das ganz unmittelbare Miteinander gefördert wird.“

Mach bunt - Dein Spielplatz braucht dich

Mach bunt – Dein Spielplatz braucht dich

Was demotiviert dich?

„Mißverständnisse und Mißkommunikation. Intern sind wir  – was die Abläufe und den Informationsfluss angeht – sehr gut eingespielt. Dadurch sind wir schnell handlungsfähig. Und tun das auch! Manchmal müssen wir aber unser Tempo drosseln, weil Verwaltungsprozesse externer Akteure kompliziertere Verfahren  z.B. bei der Vergabe von Fördergeldern oder bei der Rechnungsstellung haben. Die Zusammenarbeit ringt uns da manchmal ganz schön viel Geduld ab, aber wir sehen das hier als Herausforderung an, die es zu meistern gilt. Am Ende geht es darum, sich diese Partnerschaften dauerhaft zu erschließen und voneinander zu profitieren. Und insgesamt steht diese Hürde nicht in Relation zu den tollen Ergebnissen.“

„Durch die Zusammenarbeit mit den verschiedensten Menschen hier werden aus Ideen ganz schnell Projekte.“

Welchen persönlichen Nutzen ziehst du aus deiner Arbeit bei den Urbanisten?

„Durch die Zusammenarbeit mit den verschiedensten Menschen hier werden aus Ideen ganz schnell Projekte, an die ich vorher entweder nicht gedacht habe, oder mich nicht rangetraut habe. Das Thema Lebensmittelversorgung im urbanen Raum zum Beispiel hat mich schon immer interessiert. Durch die Kollegen Rolf Meinecke und Jan Bunse betreiben wir jetzt in unmittelbarer Nähe ein Aquaponik-Gewächshaus. Das hat mir den Zugang zur Selbstversorgung in der Stadt verschafft. Durch die verschiedenen Schwerpunkte unserer Mitglieder lernt hier jeder von jedem etwas.“

Was ist dein persönliches Ziel für den Verein bis Ende des Jahres?

„Ich will, dass der Verein am Ende des Jahres anerkannter Träger der Freien Jugendhilfe ist. Den Antrag schreiben wir gerade.“


Aus dem Newsletter „Neuigkeiten von den Urbanisten (01 | 2014)“

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Kultort im ehem. Museum am Ostwall

Museum am OstwallDie Urbanisten könnten sich einen Stadtteilbauernhof mit Experimentallaboren als Coworking-Haus im ehem. Museum am Ostwall vorstellen:
Seit der Zwischennutzung 2010 von UZDO im ehem. MO träumen wir als gemeinnütziger Verein mit Mitgliedern aus den Bereichen Sozialpädagogik, Design, Stadtplanung, Informatik und anderen Berufgruppen von einem Coworking-Haus für Gründer*innen und Künstler*innen: Im ehem. Gartensaal gibt es neben freiem WLAN und life Musik vegetarische Kost – das meiste aus eigenem Anbau aus dem anliegenden Bürgergarten, in den ehem. Ausstellungsräumen gibt es Arbeistplätze für Einzelnunternehmer und junge GbR/GmbHs sowie Vereine, die –  durch die architektonische Gestaltung hervorgerufen – eng miteinander vernetzt sind und neue Formen des Bauens und Lebens unter nachhaltigen Gesichtspunkten entwickeln. So entsehen Bambushaus-Prototypen im Innenhof, Schulklassen kommen genauso häufig vorbei wie Studenentgruppen und renommierte Unternehmen, um sich durch Ideen des kreativwirtschaftlichen Inkubartors inspirieren zu lassen. Doch das Beste im neuen MO ist das soziale Miteineinander, was vor keinen Schichten und Milieus Halt macht und in dem viel ehrenamtliches Engagement steckt. Und im schönsten Lichthof Dortmunds gibt es regelmäßige Konzerte – eben wie 2010 bei der Zwischennutzung von UZDO.
Mehr Infos zur Rettung des ehemaligen Museumsgebäudes gibt’s hier rettet-das-ostwall-museum.jimdo.com

Endlich echte Aquaponik

Vor ein paar Tagen hat unser Aquaponikprojekt einen Meilenstein erreicht: Acht junge Karpfen haben ihr neues Zuhause  in unserem Fischtank bezogen. Nun machen wir endlich echte Aquaponik, bei der die Nährstoffe wirklich aus dem Fischfutter über den Stoffwechsel der Fische ins System geraten.

Mehrere Monate hat es gedauert, bis unser System so weit war, dass es die Fische aufnehmen konnte. Zunächst musste das Gewächshaus gekauft und aufgebaut werden, mussten die IBCs besorgt, zerteilt, aufgestellt und mit Blähton gefüllt werden. Strom wurde gelegt und Pflanzen wurden vorgezogen und Bakterien auf dem Substrat gezüchtet. Das alles hat länger gedauert, als wir uns im Vorfeld vorgestellt hatten, aber die Arbeit wurde komplett ehrenamtlich erledigt und die Materialien wurden aus eigenen Mitteln finanziert. Somit mussten wir viele Optionen evaluieren und zum Beispiel herausbekommen, wo man IBCs, Blähton, Gewächshaus, Fittinge, Elektroverteilungen und alle anderen Materialien am besten beziehen kann. In der Planung war zwischenzeitlich auch, ein gebrauchtes Gewächshaus zu kaufen, oder eins komplett selbst zu bauen. Sicherlich hätten wir uns eine etwas längere Vegetationsperiode für unsere Pflanzen und Fische gewünscht, aber die Zeit ist nicht wirklich verloren, denn wir sind nun sehr viel schlauer und erfahrerer als am Anfang des Projektes.

Mit dem derzeitigen Kenntnisstand würden wir uns zutrauen, ein Aquaponiksystem dieser Größe innerhalb eines verlängerten Wochenendes aufzubauen, wenn alle benötigten Materialien vorhanden sind. Falls du also eins in deinem Garten stehen haben möchtest, sprich uns an, wir bauen es für dich.