Diesjähriger Ehrenring des Stadtbezirks geht an die Urbanisten

Die Urbanisten sind seit ihrem Gründungsjahr 2010 im Dortmunder Stadtbezirk Innenstadt-West aktiv. Vom Projekt Jugend checkt Leerstand 2011 über den urbanen Garden vorm BTZ 2013 und die Fassadengestaltung der Brücke West-S 2017 zum ESF-Projekt Kinderstärken, das dieses Jahr beginnt – ungefähr 100 kleine und große Projekte haben die Urbanisten bereits im Stadtbezirk umgesetzt. Unsere Aktivitäten werden im Oktober gewürdigt und gefeiert: Wir bekommen den Ehrenring des Stadtbezirks Innenstadt-West vom Bezirksbürgermeister überreicht, weil wir uns in besonderem Maße für das Gemeinwesen einbringen.

Wir würden uns sehr freuen wenn Ihr bei der Preisverleihung und der Feierlichkeit mit dabei sein könntet:

Freitag, 4. Oktober 2019 im Dortmunder U ab 16 Uhr

Anmeldungen bitte an Oliver Krauß: innenstadtwest@dortmund.de

Urbanisten auf der deutschen Stadtmarketingbörse in Heilbronn

Wie viel Urbanität braucht die Region und wie viel Ländlichkeit muss die Stadt abbilden, um jeweils als lebenswert wahrgenommen zu werden? Und welche Aufgaben ergeben sich daraus für das Stadt- und Citymarketing sowie für die Stadt- und Regionalentwicklung? Das sind die Leitfragen der Deutschen Stadtmarketingbörse 2019, die vom 22. bis 24. September in der BUGA-Stadt Heilbronn stattfindet. Veranstalter ist die Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland, die unter dem Titel „Stadt, Land, Lust. Urbane Ländlichkeit und ländliche Urbanität“ zur Netzwerktagung einlädt.

Die Urbanisten in Vertretung von Svenja Noltemeyer diskutieren am 24. September 2019 in Heilbronn unter dem Motto „BürgerInnen erobern Freiräume“ die Möglichkeiten von Gemeinschaftsgärten, Fassadengestaltungen, urbane Produktion und innovativen Veranstaltungsformaten wie dem Street Art Bingo.

Infos zur Tagung

Reallabor zu urbaner Produktion geplant

Die Urbanisten haben zusammen mit dem Union Gewerbehof und dem Fraunhofer Institut UMSICHT im April 2018 am letztmaligen Landeswettbewerb CreateMedia.NRW mit einem Projektvorschlag teilgenommen. Und das mit vollem Erfolg: Unter 46 eingereichten Projekten aus der Kreativwirtschaft gab es für „LUZI“ eine klare Förderempfehlung!

LUZI steht für „Labor für urbane Zukunftsfragen und Innovationen“. In diesem Projekt soll in einem kreativen Umfeld interdisziplinär und empirisch untersucht werden, wie und mit welchen Zielgruppen ein Maker Space oder FabLab nachhaltig wirksam aufgebaut und betrieben werden kann. Über das Projekt hinaus sollen im Kreativ.Quartier Unionviertel Menschen, die in unterschiedlichen Berufen zuhause sind, kooperativ neue Ideen, Produkte und Dienstleistungen entwickeln können.

Im Union Gewerbehof werden dazu Nutzungsmöglichkeiten von Maschinen, Technik, Werkzeugen und Wissen mit Ideen von Unternehmen, Studierenden und Bürgerschaft branchenübergreifend zusammengebracht. Die Werkhalle des Union Gewerbehof dient dabei als Treffpunkt zum gemeinsamen Entwickeln. Organisierter Austausch, Bildungsangebote und Einfach-mal-Ausprobieren im Reallabor befördern spannende Innovationen, so das Credo.

Das Projekt LUZI erforscht, welche Bedingungen es braucht, um neue kreative, soziale, ökologische Ideen in konkrete Unternehmenskonzepte zu überführen sowie Güter und Weiterbildungsthemen kooperativ vor Ort zu erzeugen.

Die Besonderheit des Vorhabens (2019-2022) ergibt sich aus dem gewachsenen Umfeld und Netzwerk der Urbanisten, der Dezentrale des Fraunhofer UMSICHT und des Union Gewerbehofs, in dem unterschiedliche Firmen aus der Kreativwirtschaft mit ihren Büros, Werkstätten und Ateliers ansässig sind.

Rückblick Work at Werk Union

Das Kooperationsprojekt zwischen Urbanisten und Theaterfestival FAVORITEN förderte im Sommer vier künstlerische Recherchen über Vergangenes und mögliche Zukünfte.

Vier Künstler*innen-Gruppen waren zwischen Juni und August für je drei Woche eingeladen, die Geschichte aber auch die utopischen Zukünfte des ehemaligen HSP-Geländes im Dortmunder Unionviertel zu erkunden. Die insgesamt 11 überwiegend aus dem Ruhrgebiet stammenden Künstler*innen lebten und arbeiteten in ihrer Recherchephase jeweils 3 Wochen in der Werkhalle und suchten nach Geschichten von Arbeiter*innen, dem transzendenten Potenzial von Baumwipfeln, der Geschichte des Bodens und möglichen Szenarien nach der Bebauung des Areals.

In Anlehnung an frühere Proteste der Arbeiterinnen wurde von der Gruppe Working Class Daughters ein Protestmarsch organisiert. Der Ghetto-Blaster auf den Schultern der Performerinnen vermittelte dabei die Inhalte deren Recherche: frühere Arbeiterinnen hatten in persönlichen Gesprächen von ihren Erfahrungen berichtet, von der Solidarität, von der Familie, vom Alltag im Betrieb. In anschließenden Podiumsdiskussionen war auch das Publikum zum Mitdiskutieren geladen: Welche dezidiert weiblichen Biografien finden sich in den Archiven der Firma HOESCH? Welches Verhältnis hatten die Arbeiterinnen zur Frauenbewegung? Das wollten Kristina Dreit, Karolina Dreit und Anna Trzpis-McLean aus einer feministischen Perspektive erkunden und vertieften diese Fragen im Anschluss in der Diskussion mit Nuray Demir (freie Künstlerin und Kuratorin), Uta C. Schmidt (Uni Duisburg-Essen) und dem Publikum.

Einen Ausblick auf die Hoffnungen hinter dem Grün wagte die Gruppe Terra Incognita mit Negar Foroughanfar, Dorothee Haller, Christian Berens und Moritz Kotzerke. Gewonnene und verloren gegangene Hoffnungen rund um das HSP-Areal sammelten sie in einer Lost-and-FoundInstallation, die sie mit audiovisuellem Material verwoben. „Nach drei Wochen Arbeiten und Wohnen in und um die Werkhalle herum und dem Sammeln von Eindrücken, Abdrücken, Sperrmüll, Gerüchen und Fiktionen, haben wir eine Insel aufgeschüttet. Mit der Hoffnung, etwas über den Zustand und die Zukunft des Gebietes zu erfahren, wurde auf der Insel ein Forschungslabor errichtet. In einer 45-minütigen live Performance untersuchten wir das Material, um zu begreifen, was es bedeutet und was es vielleicht über Stadtraum als etwas Gestalbares erzählt.“ (Terra Incognita)

Die bildende Künstlerin Vesela Stanoeva und der Musiker Christian Bröer der Gruppe Transzendenter Supranaturalismus verwandelten die Baumkronen auf dem Vorplatz des ehemaligen Hoesch-Verwaltungsgebäudes in ein virtuelles Wunderland und ließen qua Virtual Reality Brille für je eine*n Zuschauer*in rosa Wolken aufsteigen. Der bepflanzte Platz wird in ungewisser Zukunft wohl zum schicken Entrée oder schnöden Parkplatz der hier angedachten Luxus-Hotel-Anlage werden. „Hoesch lebt in den Geschichten, die die Bäume erzählen, weiter…denn der virtuelle Raum ist unkaputtbar…“ (Transzendenter Supranaturalismus)

Die beiden Tänzer und Choreographen David Guy Kono und Antoine Effroy begreifen den jetzigen Zustand des Geländes als eine Zwischenzeit: Zwischen vergangener Stahlindustrie und zukünftiger Siedlung steht der Boden auf diesem Gelände frei. Was wäre, fragen sie aus einer postkolonialen Perspektive, wenn wir den biblischen Befehl „Mach dir die Erde untertan“ ablehnten? In einer genauen Studie der Örtlichkeiten und der Architektur der Werkhalle experimentierten beide in einer szenischen Bearbeitung mit Wasser und Feuer und fanden dabei einen leeren Schmelzofen oder eine Treppe, die zu einer zugemauerten Wand führte. In der anschließenden Diskussion mit Dr. Johanna Schaffer (Professur für Theorie und Praxis der Visuellen Kommunikation an der Kunsthochschule Kassel) bearbeiteten sie die Frage, wer wie erinnert und welches Potenzial noch immer in der umgenutzten Architektur der Werkhalle steckt.

Für die Urbanisten war es spannend zu sehen, welche ortspezifischen Aspekte die eingeladenen Künstler*innen interessieren. „Die Möglichkeiten zur digitalen Gestaltung eines Platzes, die unterschiedlichen Empfindungen bei Neu- und Altbauten, die Kämpfe um Raum und Arbeit im Ruhrgebiet, und die Bedeutung von Boden als nicht vermehrbares Gut, sind Anregungen, die wir in die weitere Arbeit der Neuen Werk Union einfließen lassen.“ Beschreibt Svenja Noltemeyer die gesammelten Erfahrungen. „Auch die Diskussion mit Dr. Hanna Hinrichs (StadtBauKultur NRW), Michael Kranixfeld (Freier Theaterschaffender und Kulturwissenschaftler) und Stefan Gassner (Wem gehört die Kunst?) war sehr anregend: Was kann Kunst in Stadtplanungsprozessen leisten und muss sie das überhaupt?

Am 10.9. sind alle Arbeiten noch einmal im Rahmen des FAVORITEN FESTIVALS zu sehen. 

Work at Werk Union – Künstlergruppen erobern weißen Fleck im Unionviertel

Land in Sicht?

Bisher begrenzt die Grüne Wand unseren Blick wie unser Wissen über das ehemalige HSP-Gelände. Längst außer Betrieb weisen unzählige Rohre den Weg tiefer hinein ins Unbekannte. Vier Künstler*innen-Gruppen erforschen von Juni bis September 2018, welche überhörten Geschichten, utopischen Realitäten und Zukünfte sich hinter dem satten Grün finden oder erfinden lassen. Ausgestattet mit dem WORK AT WERK UNION-Stipendium, das die Urbanisten zusammen mit dem Dortmunder Theaterfestival FAVORITEN ausgelobt haben, leben, forschen und proben sie je drei Wochen in der Werkhalle über das Gelände.

Working Class Daughters

Als erste Gruppe beziehen Kristina Dreit, Karolina Dreit und Anna Tzpis im Juni Stellung auf dem Areal und wollen die Stimmen der ehemaligen Arbeiterinnen hörbar machen: Was haben die Mütter, Großmütter und Tanten bei der industriellen Arbeit erlebt und wie haben sich diese Erlebnisse in die Familiengeschichte übertragen? „Für Brot und Rosen“ – lautete 1911 die Parole streikender Arbeiterinnen in New York. Es war der Ruf für gemeinsame Forderungen und Solidarität in den feministischen Arbeitskämpfen. Welche Rückkopplungen hat es bei den Arbeiterinnen in Dortmund gegeben? Und welche Arbeitsabläufe wurden in die Körper eingeschrieben?

Terra Incognita

Einen Ausblick auf die Hoffnungen hinter dem Grün wagen Negar Foroughanfar, Dorothee Haller, Christian Behrens und Moritz Kotzerke. Das vierköpfige Team aus dem Heterotopia-Studiengang der Folkwang Universität Essen erklärt das Gelände der Werk Union kurzerhand zum Kap der guten Hoffnung und entwirft eine mobile Versammlungs- und Ausguckstation für zu gewinnende und verloren gegangene Hoffnungen. Sie fragen, inwiefern die in die Künstler*innen gesetzte Hoffnung in Stadtplanungsprozessen überhaupt sinnvoll oder stattdessen immer schon zum Scheitern verurteilt ist. Die Hoffnungsvorkommen des Geländes tragen die Vier in einer Lost- & Found-Station zusammen, ihr gezimmerter Ausguck dient ihnen als Ankerpunkt, Werkzeugkiste und Bühne für öffentliche Momente.

Dass es am Ende jeder Residenz eine öffentliche Präsentation gibt, ist für die Festivalleiterinnen Fanti Baum und Olivia Ebert genauso wichtig wie für Svenja Noltemeyer von den Urbanisten: „Das Gelände war jahrzehntelang ein weißer Fleck auf der Landkarte der Nachbarschaft, da nur Arbeiter*innen Zutritt hatten“, sagt Noltemeyer, „uns ist es ein großes Anliegen diesen Raum für die Stadtgesellschaft zu öffnen, und als einen Möglichkeitsraum für solidarische Stadtentwicklung zu behaupten“. „Das Publikum“, ergänzen Olivia Ebert und Fanti Baum „erhält zudem Einblick in künstlerisches (Er)Proben und Denken – gemeinsam irritieren die Künstler*innen die Geschichtsschreibung und lassen alternative Zukünfte aufscheinen“.

Den Boden frei lassen

Die beiden Tänzer und Choreographen David Guy Kono und Antoine Effroy begreifen den jetzigen Zustand des Geländes als eine Zwischenzeit: Zwischen vergangener Stahlindustrie und zukünftiger Siedlung steht der Boden auf diesem Gelände frei. Was wäre, fragen sie aus einer postkolonialen Perspektive, wenn wir den biblischen Befehl „Mach dir die Erde untertan“ ablehnten? Was wäre, wenn wir den Boden frei ließen und die westliche Ausbeutung des Bodens aufgäben – ihn nicht ausbeuten, ver/kaufen oder ihm Ressourcen entnehmen – und stattdessen jenen Boden als kamerunisches Dorf dächten? Welches Land, welches Leben wäre da in Sicht? Dies wollen die Zwei im Dialog mit den Anwohner*innen herausfinden und kommen mit Neugier und eigenen Erfahrungen in der Nachbarschaft vorbei.

Rosa Wolken

Wenn sich im Sommer auf der Rheinischen Straße zum Grün der Baumkronen rosa Wolken gesellen, kann das nur eine transzendente Aktion von Vesela Stanoeva und Christian Bröer sein, die die Bäume in ihrer mythischen Erhabenheit feiern und unsere Vorstellungskraft beflügeln – luftiger als jedes Nashorn das je könnte. Spätestens dann gerät der weiße Fleck auf der Landkarte für einige Sekunden in Vergessenheit, denn sattes Rosa umwölktuns.

Nach jeder Residenz gibt es eine Präsentation der künstlerischen Recherchen und aktuelle Informationen und Diskussionen zur Zukunft des Geländes in der Werkhalle (Eingang über Rheinische Straße 143). Am 10. September zeigen die Stipendiaten ihre Arbeitsergebnisse beim FAVORITEN FESTIVAL in der und um die Werkhalle. Alle Termine findet Ihr in Kürze in den Terminen. Der Eintritt ist frei.

Download_Plakat_Residenztermine

www.favoriten-festival.de

Link zu den Infos zur Neuen Werk Union

Neue Werk Union: Theater und Stadtentwicklung zusammengedacht

Wir wollen uns im Rahmen des Projekts Neue Werk Union in diesem Sommer künstlerisch mit der Entwicklung westlich der Dorstfelder Brücke beschäftigen. Von der Tanzperformance zum Audio‐Walk, von historischer Recherche zu abstrakter Form, von nachbarschaftlichen Gesprächen zum Vertiefen ins Archiv, drinnen in der Werkhalle oder draußen auf dem Gelände – es ist alles möglich und denkbar. Wenn Ihr Lust habt, mitzumachen, meldet Euch unter neuewerkunion AT dieurbanisten.de

Infos zum Projekt Neue Werk Union

Neue Werk Union – Eure Beteiligung ist gefragt!

Auf dem ehemaligen Industriegelände entsteht ein neuer Stadtteil. Bereits seit 2015 initiieren und steuern die Urbanisten im engen Austausch mit allen Interessierten einen Beteiligungsprozess über die zukünftigen Entwicklungen des ehemaligen HSP-Geländes. Das ehemalige große Industrieareal wurde 2016 von der Thelen-Gruppe gekauft und könnte nach Meinung der Urbanisten einen einzigartigen Möglichkeitsraum für Experimente darstellen. Unter dem Titel Neue Werk Union möchten wir diskutieren und erproben wie die Stadt der Zukunft aussehen, funktionieren und vor allem gemeinschaftlich geplant werden kann. Für die Identität des Unionviertels sind die Fläche und die Beteiligung an ihrer zukünftigen Entwicklung von herausragender Bedeutung. Besonderes Augenmerk richten die Urbanisten auf moderne Raumkonzepte und Beteiligungsmethoden. Sie stellen neue Qualitäten in den Mittelpunkt die gleichzeitig Bestand und Tradition wertschätzen.

Eine offene Arbeitsgruppe, bei der jeder mitmachen kann, lud 2017 zu Info-Abenden, Begehungen und Kennenlerntreffen zwischen Interessierten und Stadtverwaltung sowie dem Käufer des Geländes, der Thelen-Gruppe, ein. Auch 2018 werden im Rahmen von World- Cafés, digitalen Begehungen und künstlerischen Interventionen viele Mitmachmöglichkeiten entstehen. Beim letzten Treffen am 18. Januar in der Werkhalle wurde bereits eine Vielzahl konkreter Ideen zu den Schwerpunktthemen „Gebäude & Architektur“ und „Freiraumentwicklungen“ sowie „Konzepte/Visionen/Prozesse“ entwickelt.

Die Zeit drängt – Wünsche müssen zeitnah konkretisiert werden!

Die Zeit, um eigene Wünsche und Empfehlungen zu formulieren, drängt! Denn voraussichtlich 2019 wird darüber breit diskutiert werden, was genau auf dem Gelände umgesetzt werden kann und was nicht. Es gilt also, die mit dem Raum verbundenen Potenziale zu nutzen und Vorstellungen über die Entwicklung des neuen Stadtteils der ehemaligen Werk Union gegenüber den EntscheidungsträgerInnen der Stadtentwicklung zu kommunizieren!

Offene Arbeitsgruppe – MitstreiterInnen sind herzlich willkommen

Die offene Arbeitsgruppe organisiert sich mit viel ehrenamtlichen Engagement und freut sich auf Euch und Eure Unterstützung. Es ist kein Vor- oder Fachwissen notwendig – jede helfende Hand ist willkommen!

neuewerkunion@dieurbanisten.de

Informationen zum Projekt 

Westgarten-Winterworkshops: Winterschlaf gibt’s nicht

Nach den ersten Theorie-Stunden, in denen wir letztlich das Wissen aus der 9. Klasse Thema Bodenkunde aufgefrischt haben, ist es schon erstaunlich, dass wir im Gartenjahr 2017 nicht alles falsch gemacht haben. Natürlich haben wir auch nicht alles richtig gemacht: Salat wächst nicht gut, nachdem zuvor starkzehrende Kartoffeln die Närstoffe des Bodens verbraucht haben. Auch, dass Kompost immer fleißig belüftet werden muss, um guten Mutterboden zu produzieren war uns unbekannt. Riesigen Brokkoli und ganz wohlschmeckende Tomaten haben wir trotzdem geerntet.

Wie kommt es nur, dass wir Städter nicht mehr die grundlegendsten Naturkreisläufe, Zusammenhänge und Beschaffenheit kennen? Das ist doch traurig. Dazu passen auf jeden Fall auch die Anfragen, die uns erreichen, den Westgarten einmal im November/Dezember, fotografieren zu können. Im Winter wächst nahezu nichts. Die Beete sind leer. „Achso“ hörten wir da oft am Telefon und wir fragten uns, ob die Menschen den Bezug zum natürlichen Jahreszeitenwechsel und den damit verbundenen unterschiedlichen Wuchs der Pflanzen schon völlig verloren haben. Doch dann im Boden-Workshop lernten wir: Es ist eigentlich falsch, dass gar nichts im Winter in den Beeten wächst. Die Winterbegrünung schützt den Boden vor Erosion und dem Verlust von Nährstoffen. So leicht ist das also doch alles nicht.

Es macht auf jeden Fall unheimlich viel Spaß, sich das Wissen gemeinsam anzueignen und den Westgarten 2018 zu planen. Auch freuen wir uns sehr auf die thematischen Ausflüge zur Nutztierhaltung (13.1.) und zur Aquaponikanlage (27.1.). Das kommende Gemeinschaftsgartenjahr kann ja nur der Knaller werden, nachdem wir nun so viel wissen 🙂

Wer Lust hat mitzumachen oder wen die Themen der Winterworkshops interessieren, der kommt einfach vorbei oder meldet sich unter Westgarten.dortmund@gmail.com. Am 16.12.17 habt Ihr auch noch mal die Gelegenheit Bauprojekte anzustoßen und die Manufaktur kennenzulernen. Alle Termine findet Ihr auf unserer Terminseite.

Westgarten feierte Erntedankfest im Kaleidoskop

Mit reichlich selbst gesammelten Waldpilzen, Kürbissen und Kastaniencreme-Schokotörtchen feierte der Gemeinschaftsgarten in der Dortmunder Innenstadt-West am 9. Oktober das nahende Ende der Erntezeit 2017. Gerade mal ein Jahr ist es her, dass sich die Westgärtner_innen kennengelernt haben und nun liegt schon die erste gemeinsame Gartensaison hinter ihnen. Auf dem Erntedankfest wurden die kommenden Winterworkshops geplant und gemeinsam auf die nächste Gartensaison angestoßen, die mit Vorfreude erwartet wird.

Alle wollen auch im kommenden Jahr Brokkolis, rote Beete, Tomaten, Spinat, Erbsen, Bohnen, Kürbisse, Zuchinis, Fenchel, Chilis, Kohlrabis, Kartoffeln, Möhren, verschiedene Kohlköpfe, Salate und Kräuter anbauen. Der Kampf gegen Mehltau und Kohlweißlingraupen am Brokkoli hat die Gruppe zusammengeschweißt. Im nächsten Jahr sollen Experimente und Erfahrungen mit weiteren Obst- und Gemüsesorten und neuen Anbaumethoden gemacht werden. Auch das Kochen mit den frisch geernteten Zutaten soll nicht zu kurz kommen. Im Juli 2017 haben die Westgärtner ein Running Dinner veranstaltet, um sich an einem Abend an verschiedenen Köstlichkeiten zu erfreuen. „Bei einer Person gib es die Vorspeise, bei einer die Hauptspeise und bei einer die Nachspeise. Man geht gemeinsam von Wohnung zu Wohnung und isst gemeinsam“ berichtet Gemeinschaftsgärtnerin Johanna, die begeistert von der Aktion ist, und diese gerne nächstes Jahr wiederholen möchte.

Nach dem gemeinsamen Fest werden ab November 2017 die Winterworkshops starten, die durch die Urbanisten organisiert und im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums finanziert werden.

Alle sind herzlich eingeladen, beim Projekt Westgarten mitzumachen. Schreiben kann man der Gruppe auf westgarten.dortmund@gmail.com und alle alle Termine sind unter der Rubrik Termine zu finden.

Fotos: Luisa Gehnen

Kurze Wege für den Klimaschutz

Im September 2016 fiel der Startschuss für einen neuen Gemeinschaftsgarten im Unionviertel, der von der Bezirksvertretung Innenstadt-West unterstützt wird. Aus den damals 27 Interessierten ist mittlerweile ein Kreis von über 60 über einen E-Mail Verteiler organisierten Hobbygärtnern geworden, die den Westgarten gemeinschaftlich aufbauen wollen. Als ersten Ort hat sich nach einer Begehung des Viertels das Heinrich-Schmitz-Bildungszentrum im Westpark herauskristallisiert. Hier stoßen wir auf optimale Bedingungen, da das Projekt angekommen uns räumlich und organisatorisch unterstützend eng zur Seite steht.

Seit Juni diesen Monats blicken wir noch optimistischer in die Zukunft des Westgartens, da der Antrag, den zwei Mitglieder der offenen Gruppe mit Unterstützung der Urbanisten auf den Weg gebracht haben, zur Förderung bewilligt wurde. Das  Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit fördert aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags das Projekt Westgarten (Kennzeichen 03KKW0021) für zwei Jahre. Nun haben wir genügend Spielraum Know-How zu organisieren, mehr Hochbeete aufzustellen sowie die Öffentlichkeitsarbeit und strategische Entwicklung des Westgartens voranzutreiben.

Aus dem Antrag: „Es soll ein urbaner Garten in unmittelbarer Nähe zum bereits vorhandenen strak frequentierten Naherholungszentrum „Westpark“ errichtet werden, in dem Anwohner in Zusammenarbeit mit den Projektteilnehmern ihr eigenes Obst und Gemüse anbauen und ziehen können. Ziel ist es dabei, die langfristige Auseinandersetzung der Bevölkerung mit selbstständiger Nahrungserzeugung zu gewährleisten und eine Sensibilisierung für selbiges in der westlichen Innenstadt und zukünftig auch in der gesamten Stadt Dortmund zu schaffen.  Damit soll zum einen eine teilweise Eigenversorgung mit grünen/gesunden, unbehandelten und lokalen Lebensmitteln gewährleistet werden, zum anderen aber auch eine Sensibilisierung für das Thema Selbstversorgung/Nahrungsmittelanbau erfolgen, welche in globalisierter Abhängigkeit vonnöten ist. Eine konkrete Alternative zu ressourcenschonender und klimafreundlicher Nutzung von Stadtfläche wird geboten.“

Wer Interesse hat, mitzumachen, meldet sich! westgarten.dortmund@gmail.com

 

Dokumentarfilm reist durch Europa

Die fünf Premieren des Films „Das Gegenteil von Grau“ der Initiative Recht auf Stadt Ruhr und dem Filmemacher Matthias Coers, dessen Entstehen die Urbanisten unterstützend begleitet haben, waren mehr als ausverkauft. Es gab zum Teil sogar mehrfache Aufführen an den Standorten und die Zuschauer kamen angeregt mit dem Team in Austausch. „Ich kannte einige Initiativen, aber nicht alle. Toll, dass so viel im Ruhrgebiet los ist“ wurde von vielen Menschen nach dem Film geäußert. Dass das Umsetzen von Ideen leicht, die Nutzung von Raum aber oft mit unterschiedlichen Schwierigkeiten verbunden ist, wird anhand von 20 Initiativen zwischen Dortmund und Duisburg gezeigt. Und das sind bei weitem nicht alle Initiativen, die es zwischen Dortmund und Duisburg gibt.

Die Idee dahinter ist, dass Initiativen, die auch in unterschiedlichsten Bereichen arbeiten, sich kennenlernen und man über diese Differenz feststellt: Es gibt einfach viele, die an ihrem jeweiligen Ort, in ihren Städten, etwas probieren. Die 20 vorgestellten Initiativen decken von Gruppen, die Leerstand besetzen, bis zur solidarischen Landwirtschaft ein erstaunlich breites Spektrum ab. Der Film geht dabei der Frage nach: Wie organisieren wir uns als Menschen, als Gesellschaft? Es sind kleine, feine Beispiele, wie man etwas realisieren, etwas anders machen kann. Das kann eben ein Buchladen sein, der als Kollektiv funktioniert, oder eine Genossenschaft, die es unterschiedlichen Leuten ermöglicht, dauerhaft, sicher und ziemlich gut zu wohnen und zusammenzuleben. Was im Film zu sehen ist, ist die Breite der Ansätze und die Unterschiedlichkeit der Initiativen, die in den städtischen Raum intervenieren.

Der Film wurde neben Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen und Oberhausen auch schon in Arnheim, Berlin, Frankfurt, Hamburg, Jena, Münster, Mülheim, Oldenburg, Weimar und Wien gezeigt und diskutiert. Magdeburg, Mainz, Offenbach und Rostock sind in Planung. Auch sind weitere Termin in europäischen Städten geplant. Wer Interesse hat, den Film zu zeigen, kann sich unter kontakt@gegenteilgrau.de melden!

Filmemacher Matthias Coers: „Aus Berliner Perspektive ergibt sich der interessante Widerspruch, dass im Ruhrgebiet sehr viel Engagement ist, aber gleichzeitig scheinbar wenig geht. Umso wichtiger sind die – im Vergleich wenigen – Initiativen, die entgegen der Mentalität nicht warten, sondern Ideen selbst umsetzen: ein Kulturlokal, eine Nachbarschaftsinitiative, die einen kleinen Laden betreibt und Nachhilfeunterricht für Kinder gibt, eine Fahrradwerkstatt – also kleine Momente, die aber natürlich durch tägliche Praxis realisiert werden müssen. Das ist reale, gesellschaftliche Arbeit, aber eben nicht in einem Neuköllner Milieu, wo man nur drei Häuser weiter geht und da ist wieder was.

Stattdessen gibt es diesen Charakter von sehr durchschnittlichen, oft ein bisschen abgewirtschafteten Städten und Stadtteilen, wo die Grundstimmung ist: Naja, wir können ja eh nicht so viel machen. Wenig Aktive, viele Möglichkeiten, das ist die Ambivalenz: Man könnte sagen, wenn du im Ruhrgebiet eine kleine, funktionierende Arbeitsgruppe hast, ein bestimmtes Konzept, eine Idee und ein echtes Realisierungsbedürfnis, dann geht einiges. Die paar handverlesenen Leute, die sich entschließen, etwas aufzubauen, brauchen Beharrlichkeit. Umso wichtiger ist es, sie ein Stück nach vorne zu bringen, indem man ihre Arbeit zeigt.“

Der Film wurde gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, die LAG Soziokultur, die Montag Stiftung urbane Räume und den Regionalverband Ruhr.

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Bürgerbeteiligung HSP

Westlich der Dorstfelder Brücke wird auf dem ehemaligen HSP bzw. Hoesch Areal ein neuer Stadtteil entstehen. Uns Urbanisten interessiert das sehr, denn hinter unserem Garten kann ein zukunftsweisendes urbanes Quartier wachsen und historische Strukturen können sinnvoll umgenutzt werden. Deswegen möchten wir den öffentlichen Diskussionsprozess über die Flächenentwicklung starten. Wir Urbanisten denken, je frühzeitiger man dies tut, desto besser können alle Interessierten ihre Ideen und Informationen einbringen.

Den ersten Aufschlag gab es dazu im Nordwärts Quartierscafé im Haus der Vielfalt Ende 2016, den wir moderiert haben. Dabei ging es hauptsächlich darum, die Menschen im Quartier zu informieren und zu schauen, welche Themen dabei angesprochen werden. Weil viele Leute Interesse an der Entwicklung des riesigen Gebiets zeigten, haben wir Urbanisten einen Beteiligungsprozess organisiert und arbeiten regelmäßig mit einer offenen Arbeitsgruppe am Thema.

Nach Informationen zu Geodaten, historischen Plänen, Luftbildern etc. möchte die Arbeitsgruppe 2017 die Idee von Möglichkeitsräumen mit allen Interessierten weiterentwickeln. Wir denken, dass man durch Interventionen in den öffentlichen Raum, und pionierartige Aneignung von Freiräumen und Flächen, viel zur sozialen und innovativen Stadtentwicklung beitragen kann.

Beim Info-Abend im April 2017 haben wir Urbanisten zum zweiten mal alle Interessierten und die Stadtverwaltung eingeladen, sich über den Planungsprozess auszutauschen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man diesen bereits heute durch Zwischennutzungen gestalten kann. Knapp 60 Menschen haben sich in der Werkhalle zu den Themen IGA, Wohnen, Standortanalyse und Möglichkeitsräume ausgetauscht. 

Im Sommer 2017 werden wir die Öffentlichkeitsarbeit für die Ideen aus dem Quartier entwickeln und mit dem neuen Eigentümer in Kontakt treten, um auszuloten, was wirklich möglich ist und wann temporäre Öffnungen von Teilflächen realisiert werden können. Die offene Arbeitsgruppe HSP und die Urbanisten werden sich um die Umsetzung von Zwischennutzungen kümmern insofern es Interessierte Nutzer gibt. Wir sind gespannt!

Kommende Termine findet Ihr unter „Mitmachen

Wir laden alle ein, mitzumachen, Informationen und Ideen mit anderen zu teilen und kreative Nutzungen auszuprobieren. 

Bildquellen: Union Gewerbehof, die Urbanisten e.V. und Ausschnitte aus dem Entwurf 02 im Master Raumplanung: Planernachwuchs entwirft Zukunft: Informeller Urbanismus (Stephan Willinger, Pävi Kataikko-Grigoleit), Team: Elise Carletto, Linda Hinz, Carina Perdux und Amir Schulte