Neue Werk Union – ein neuer Stadtteil entsteht

Laufzeit  seit Februar 2016

Aktionsfeld  Kunst im öffentlichen Raum, Stadtplanung & -entwicklung

Projektleitung  Svenja Noltemeyer

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Westlich der Dorstfelder Brücke wird auf dem ehemaligen Werk Union Areal ein neuer Stadtteil entstehen. Hier kann in den nächsten Jahrzehnten ein zukunftsweisendes urbanes Quartier wachsen, das historische Strukturen sinnvoll umnutzt. Deswegen haben wir den öffentlichen Diskussionsprozess über die Flächenentwicklung gestartet und sind mit allen beteiligten Akteuren, insbesondere der Stadtverwaltung und dem neuen Eigentümer, in Kontakt.

Wir Urbanisten denken, je frühzeitiger man sich an dem Planungsprozess beteiligt, desto besser können alle Interessierten ihre Ideen und Informationen einbringen. Neben der Information der Menschen vor Ort möchten wir für den Eigentümer fachlich-lokalen Entwicklungsinput als Anregung geben und als Umsetzer von Ideen agieren. Informationen über die Arbeitsgruppe findet ihr auf dieser Seite unter „Selbstverständnis“ und „lokales Expertenteam“. Eine Übersicht über die bisherigen Aktivitäten ist unter „Verlauf“ festgehalten. Wir laden alle ein, mitzumachen, Informationen und Ideen mit anderen zu teilen und kreative Nutzungen auszuprobieren.

Wer gerne mitmachen oder mehr mitbekommen möchte, kann sich unter neuewerkunion@dieurbanisten.de melden. Das Projekt ist nur so stark, wie es die Gruppe ist, denn wir arbeiten alle ehrenamtlich und nichts passiert von allein. Wir freuen uns über jede_n Dazukommende_n! Kommende Termine findet Ihr auf unserer Terminseite.

 

Dortmund hat die einzigartige Chance, in einem innenstadtnahen Gebiet einen neuen Stadtteil zu denken, zu gestalten und zu schaffen. ‚Neue Werkunion‘ ist die Verknüpfung aus historischem Bestand und Identität mit innovativen neuen Nutzungskonzepten, die sich aus den Potenzialen und Wünschen aller Bewohner*innen und Akteure speisen.

Um welche Fläche bzw. welchen Prozess geht es?

Uns interessiert das Gelände des statistischen Unterbezirks Union Nr. 023, bzw. die zuvor als Werksfläche Hoesch Spundwand und Profil genutzte Fläche, die 2017 von Thyssen-Krupp ins Eigentum der Thelen-Gruppe überging. Erstmals industriell genutzt wurde sie 1854 als Dortmunder Bergbau- und Hütten AG, später als Werk Union. Die Fläche prägt eine km-lange grüne Halle entlang der Rheinischen Straße westlich der Dorstfelder Brücke.

Wer sind wir und warum interessieren wir uns für diese Fläche?

Menschen sind die zentrale Schnittstelle für die nachhaltige Weiterentwicklung und Gestaltung von Stadtquartieren. Die Stadt lebt erst durch ihre Bewohnerinnen und Bewohner, ihre Individualität und lokale Identität. Ihre Kenntnisse über den öffentlichen Raum, ihren gemeinsamen Lebensraum, sind umfassend, kleinräumig und äußerst wertvoll als Ausgangspunkt für neue Entwicklungen. Durch partizipative Projekte und die Befähigung zur Beteiligung aller Menschen im Unionviertel in der Stadtentwicklung machen wir versteckte Potenziale im Quartier sichtbar, stärken die Identifikation mit der eigenen Nachbarschaft und entwickeln lebenswertige und lebendige Lebensräume.

Wir sind eine Arbeitsgruppe, die sich nach dem SEiSMiC-Forum und dem Nordwärts-Quartierscafé 2016 regelmäßig zusammensetzt. Hier werden alle zugänglichen Informationen zusammengetragen und die Bewohnerschaft in die Aktivitäten vor Ort einbezogen.<br /> Wir kommen aus anderen Blickwinkeln als die üblichen Partner, die bei einer Flächenentwicklung aktiv beteiligt sind. Wir haben weder die Innenperspektive einer Verwaltung, noch verfolgen die bekannten Bürgerbelange. Wir verstehen uns als zusätzliche Fachebene, die die fachliche Expertise aus lokalem Wissen über Orte, Netzwerke, Prozesse, Ideen, Köpfe etc. über das Unionviertel und dem 2006 gestartetem Stadtumbau Innenstadt-West aufnimmt und in den Entwicklungsprozess überträgt.

Wir verstehen uns als Experten-Team vor Ort, das über vielfältige Kenntnisse und langjährige Erfahrungen in der Stadtplanung, Stadtentwicklung, Partizipation und lokalen Quartiersentwicklung verfügt. Wir schöpfen aus unseren beruflichen Erfahrungen mit Planungs- und Entwicklungsprozessen, unserem Studium oder unserem ehrenamtlichen Engagement für lebenswerte Stadtquartiere im Unionviertel, in Dortmund und darüber hinaus.

Unser Interesse an der konkreten Fläche ergab sich aus den folgenden Punkten:

• Fläche mit vielen Potenzialen, sehr guter Verkehrsanbindung, attraktiver Anknüpfung an die Emscher, einem interessanten und erhaltenswerten Gebäudebestand und einer langen Tradition industrieller Nutzung.
• Einzigartige Chance für das zwischen Verkehrs- und Gewerbeflächen liegende Unionviertel zur Umsetzung von Wünschen der Bewohner*innen in gemeinsamen Prozessen mit allen Akteuren.
• Verbindendes Element kleinräumig zwischen Unionviertel, Emscher und Nordstadt sowie Hafen sowie großräumig über die Emscher zwischen dem Dortmunder Süden bis in die nördlichen Stadtteile.
• Interesse an moderner und weiter gedachter Stadtentwicklung, die für die lange Zukunft nachhaltig und resilient ist.
• Räumliche Nähe zu unseren Lebens- und Arbeitsorten und hervorragende Anknüpfung an viele Akteure gelebter Nachhaltigkeit vor Ort.

Die Fläche ist für die Identität und das Image des Unionviertels von herausragender Bedeutung. Hieraus folgt ein hohes Interesse an einer neuartigen Stadtplanung, die auf Wünschen und Anforderungen lokaler Bewohner*innen aufbaut, neue Qualitäten in den Mittelpunkt stellt und dabei Bestand und Tradition wertschätzt.

Was sind unsere Ziele und unsere inhaltliche Ausrichtung?

Anregungen bieten – keinen Kontrastentwurf

Wir möchten wie der Eigentümer und die Stadtverwaltung eine Attraktivierung des Quartiers und einen neuen modernen Stadtteil, der die fehlenden Funktionen vor Ort ergänzt und der Nachfrage vor Ort Raum bietet. Wir sind keine Initiative, die einen Kontrastentwurf gestalten möchte. Wir möchten Anregungen und Wünsche äußern und mit der Öffentlichkeit sowie der Verwaltung und Eigentümer gemeinsam in enger Zusammenarbeit agieren. Wir verfolgen keine wirtschaftlichen oder gesamtstädtischen Verwaltungsinteressen. Wir möchten auch unkonventionelle Blicke öffnen, die über ‚typische‘ Interessen hinausdenken und – in unterschiedlichen Detaillierungsgraden – als Input und Anregungen für weitere Planungen genutzt werden können.

Innovative Planungskultur – Öffnung des Entwicklungsprozesses

Wir möchten verschiedene Perspektiven aufzeigen und anregen, was moderne Stadtentwicklung für uns bedeutet. Wir möchten zur Entwicklung interessanter Netzwerke einladen, ermutigen und inspirieren. Wir sehen es als Grundlage für die Gestaltung von Stabilität und Zukunft an, kreative Ideen kompositorisch in die verschiedenen Stufen des Planungsprozess einzubringen, die sich modulhaft in Strategien aufnehmen lassen und diese unterstützen. Damit wagen wir den Blick über den Tellerrand und weg von klassischen Beteiligungsprozessen und verfolgen die Ziele einer innovativen Planungskultur. Diese ist inklusiv, wächst langsam, integriert das lokale Wissen im Quartier, nimmt sich Zeit zur Selbstreflexion, denkt immer wieder neu über Alternativen nach und ist offen für unerwartete Möglichkeiten.

Ein solcher Input ist weitestgehend planungstheoretisches Neuland und sollte als Experiment ohne Risiko für den Eigentümer gesehen werden – Standardprozessse der Beteiligung sind uns für einen solchen stadtgestalterischen Eingriff zu wenig und zu spät angesiedelt. Für die Gesamtqualität des Quartiers brauchen wir Ansätze, die mit Vielfalt, Widersprüchen und allen vorhandenen Potenzialen gemeinsam mit den Interessen aller Bewohner*innen arbeiten und zu Lösungen führen. Nur dadurch können wir als eine Zivilgesellschaft unsere inhärente Resilienz in zukünftige Pläne und Prozesse als fester Eigenschaften einfädeln.

Temporäre Nutzungen – Chancen und Akzeptanz

Wir möchten die Fläche für die Menschen zugänglich und erlebbar machen und die Chancen nutzen, die sich daraus für die Qualifizierung der Entwicklung ergeben. Die Öffnung der Fläche für alle Teile der Gesellschaft schafft einen Zugang zum Entdecken neuer Möglichkeiten und erhöht die Akzeptanz für die Entwicklung. Zwischennutzungen sind für uns ein wichtiger Bestandteil, um Interesse an dem Gebiet im Quartier und in Dortmund zu wecken. Zugleich sichern temporäre Nutzungen die Flächen, deren Instandhaltung und helfen dabei, Diebstahl, Vandalismus und Zerstörung zu verhindern. Wir möchten ein Konzept, das die Fläche mit ihren Zusammenhängen in die Umgebung integriert denkt, aber gleichzeitig unmittelbare Nachnutzungsperspektiven eröffnet und aus dem Unionviertel heraus entwickelt. Zeitlich befristete Nutzungen sind für uns ideale Möglichkeiten, mit Ideen zu experimentieren und kreative Ideen risikofrei umzusetzen. Schließlich sind temporäre Nutzungen eine Gelegenheit, das vorhandene unternehmerische Potenzial innerhalb der Stadt zu fördern und auszubrüten/incubate. Dies durch Experimentierräume zu unterstützen, ist das Engagement für die Entwicklung unserer eigenen kreativen Klasse, die in Dortmund sich niederlassen und wachsen kann.

Die Initiative Neue Werk Union ist eine offene Arbeitsgruppe, die sich regelmäßig in der Werkhalle oder im Urbanistenbüro trifft und den Prozess und die Ideen ehrenamtlich begleitet. Die Gruppe organisiert den öffentlichen Austausch und steht mit den einzelnen Akteuren rund um die Flächenentwicklung in regelmäßigen Kontakt.

Svenja Noltemeyer

Die Raumplanerin ist Vorstandsmitglied im Verein die Urbanisten und Geschäftsführerin des Büros für Möglichkeitsräume. Als Standortmanagerin der ehemaligen Zeche Lohberg, dem heutigen Kreativ.Quartier Lohberg, hat sie verschiedenste Veranstaltungsformate zur Transformation des Areals entwickelt und die Kommunikation zwischen Stadt, Eigentümergesellschaft und Bewohnerschaft/Unternehmerschaft begleitet. Als Dortmunder Ratsmitglied agiert sie als Bindeglied zwischen Verwaltung, Politik und Bürgerschaft. Ihre Kernkompetenz liegt in der Förderung von Kreativwirtschaftsunternehmen und -standorten mit dem Schwerpunkt auf Leerstandsnutzung sowie der strategischen Beratung von lokalen und regionalen Netzwerken und Initiativen.

Dorothee Schmülling

Die Diplom-Ingenieurin (FH) Architektur ist für die Union Gewerbehof GmbH als Architektin tätig. Ihre Aufgabenschwerpunkte dort sind Instandhaltung, Instandsetzung und Vermietung. Zudem ist sie Bewohnerin des Viertels. Ihr Augenmerk liegt auf Umnutzungspotenzialen auf dem Gelände.

Jana Zeitz

Die Stadt- und Regionalmanagerin M.Sc. interessieren Projektentwicklungen von „unten“, die in konzeptionellen Rahmen mit Know-how organisiert werden und dem Flächenrecycling von ehemaligen Industriearealen im Ruhrgebiet dienen. Sie beleuchtet  Stadtentwicklungsprozesse multiperspektivisch und interdisziplinär und organisiert seit Anfang 2018 das Projekt Neue Werk Union mit sehr viel ehrenamtlichen Engagement im Urbanistenbüro.

Dr. Christian Lamker

Der Raumplaner und wissenschaftlicher Mitarbeiter ist an den Fachgebieten Raumordnung und Planungstheorie sowie Stadt- und Regionalplanung an der Fakultät Raumplanung der TU Dortmund beschäftigt. Seine Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen im Bereich Planungstheorie, Planungsprozesse und -verfahren. Aktiv ist er in interdisziplinären Arbeitsgruppen zu Postwachstumsplanung, Raumwahrnehmungen und partizipativen Verfahren aktiv.

Babette Martini

Die bildende Künstlerin, PhD (Studium und Arbeit in Großbritannien von 1987 bis 2011, sowie Lehre an verschiedenen britischen Akademien/Universitäten) stellt international aus und kursiert Ausstellungen. Neben öffentlichen Aufträgen und diversen Kunstprojekten ist sie als Vorstandsmitglied der BANA (Bath Artists Network Association UK) und in der Leitung der Peer Mentoring Group for professional Artists in Großbritannien und Deutschland aktiv. Mit drei weiteren Künstlern hat sie die Galerie BLAM! gegründet. Aktuell begleitet sie das NEXT_Accelerator – Creative Incubators Forschungsprojekt (ELIA).

Robin Chang

Die Raumplanerin, MSc., arbeitet zur Zeit als wissenschaftliche Angestellte und promoviert am Fachgebiet Europäische Planungskulturen der Fakultät Raumplanung der Technischen Universität Dortmund. Sie untersucht und vergleicht wie sich diverse Zwischennutzungsprojekte in Deutschland und in den Niederlande institutionalisieren. Sie lehrt zum Thema Zwischennutzung, urbane Resilienz und Planungskulturen in Kanada. Sie ist aktiv dabei, die internationale Zusammenarbeit mit der kanadischen Hochschulen wie beispielsweise der Simon Fraser University und der University of British Columbia durch Projektexkursionen und Workshops zu fördern. Als ehemalige Community und Land Use Planerin hat sie in Kanada schon verschiedene Entwicklungs- und Genehmigungsprozesse erarbeitet und begleitet. Sie ist zurzeit Mitglied von Gesellschaft für Kanada-Studien in den deutschsprachigen Ländern (GKS) und der International Sustainable Development Research Society (ISDRS).

Silja Kessler

Die Stundentin Student im Master Raumplanung an der TU Dortmund beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit informellen Urbanismus und der selbstgebauten Stadt und arbeitet derzeit an ihrer Masterarbeit. Sie ist Fachschaftsmitglied, Mitglied der Gleichstellungskommission und Mit-Organisatorin des PlanerInnenTreffens im November in Dortmund aktiv.

Tim Klein

Der Stadt- und Regionalmanager M.Sc. findet den Umgang mit dem geschichtlichem und industriekulturellem Erbe bei der Flächenentwicklung des ehemaligen Hoesch-Spundwand Areals spannend. Durch seine Masterarbeit über „Grüne Infrastruktur“ interessiert Ihn weiterhin die Einbindung des Areals in die mögliche IGA 2027 in Dortmund. Im Rahmen seines Praktikums bei den Urbanisten war er schon an der Durchführung des SEiSMiC-Forums zu „Urbanen Möglichkeitsräumen in Dortmund im Jahre 2016 beteiligt, welches den Auftakt für die heutige Arbeitsgruppe gab.

Jörg Peter Schmitt

Der Diplom-Ingenieur der Raumplanung ist als Stadtplaner tätig. Es ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Raumplanung der TU Dortmund und Mitarbeiter der Gesellschafter von Urbaninfo, einem Büro, welches sich auf informationsbasierte Stadtentwicklungsprozesse spezialisiert hat. Er hat eine Vielzahl an integrierten Entwicklungskonzepten mit begleitet und gestaltet.

Amir Schulte

Der Student im Master Raumplanung an der TU Dortmund beschäftigt sich intensiv mit städtebaulichen Entwürfen und Entwicklungskonzepten für z.B. Konversions- und Brachflächen. Im Rahmen einer Projektarbeit hat er lokale Akteure, Flächenpotentiale (inkl. Wiedererkennungswert und Charakter), Art der zukünftigen Nutzung (kurz- bis langfristig) auf dem Werk Union Gelände umfassend untersucht und bewertet. Im Ergebnis sind ein möglicher Prozessablauf für die weitere Entwicklung, Vorschläge für Zwischennutzungen, fallbasierte Entwicklungsszenarien sowie ein Gestaltungsplan für das Gesamtareal entstanden.

David Kory

Der der Raumplaner BSc arbeitet seit 2014 bei den Urbanisten als Projektleiter urbane Stadtgestaltung und studiert zurzeit im Master Raumplanung an der Technischen Universität Dortmund. Mit seinem Master-Projekt beschäftigte er sich konkret mit dem Werk Union Areal und der Frage inwiefern „Urbane Gebiete“ auf der Fläche eine Chance darstellen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit aus Raumplanung, Urban Art und Partizipation in der Stadtentwicklung steht im Mittelpunkt seines Schaffens.

 

Die Verbindung von Kunst und Stadtplanung ist ein spannendes Feld. Kunst kann besondere Themen aufgreifen und vermittelnd tätig sein. Kunst kann Augen öffnen und Gespräche initiieren, die sonst nicht stattgefunden hätten. Stadtplanung ist auch immer eine emotionale Angelegenheit und eine Frage von Authentizität. Insbesondere wenn es um die Schließung und den Abriss von Industrieanlagen im Ruhrgebiet geht. Identität und Lebenswerke werden hier in nur kurzer Zeit verändert. Deswegen ist Bürgerbeteiligung und die Frage nach Besonderheiten vor Ort enorm wichtig, um die Menschen mitzunehmen und Akzeptanz für die Neuplanungen zu schaffen.

Im Rahmen des Prozesses der Neuen Werk Union gab es verschiedene künstlerische Ansätze, sich mit dem industriell genutzten Ort  und seinem Entwicklungsprozess auseinanderzusetzen:

Die Fotografin Sabrina Richmann zeigt in ihrer fotografischen Exkursion in die Arbeitswelten des Dortmunder Unionviertels, die sie im Rahmen der Westpassage 2016 unter dem Titel „Am Ende bleibt es Arbeit“ veröffentlicht hat, was passiert, wenn sich ein ehemaliges, über sehr viele Jahrzehnte industriell geprägtes Quartier, kreativwirtschaftlich entwickelt und Kunst und Kultur Teil der Strategie sind, den Wandel aktiv zu begleiten.

Der Fotograf Eisenhart Keimeyer gibt den Menschen in seiner Veröffentlichung „Den Betrieb einstellen?“ von 2016 die Möglichkeit, das verborgene und nicht zugängliche Areal der ehemaligen Werk Union zu umrunden und Einblicke in das Areal zu erhalten. Seine Fotografien zeigen besondere Blickwinkel und man hat das Gefühl, beim Umblättern, echte Schritte um das Gebiet zu machen.</p><p>In einem weiteren Projekt 2016 bespielt Eisenhart Keimeyer den Tunnel an der Huckarder Straße. Unter dem Titel „Übermalungen Unionviertel“ greift er das Thema Tags und Graffitis, als verlangen der Menschen, ihr Lebensumfeld zu gestalten, auf und inszeniert dadurch eine Auseinandersetzung mit dem Ort.

Die Künstler_innen Eu Sun Ko, Hyun Kann und Shinah Lee haben in einer Arbeit dem Spruch „Es lobt den Mann die Arbeit und die Tat“ auf dem ehemaligen und stadtbildprägenden Verwaltungsgebäude auseinandergesetzt. Durch ein Wackelbild wird aus dem „Mann“ die „Frau“ und dadurch die männerdominierte Arbeit auf dem ehemaligen Walzwerk thematisiert. Dieser Spruch ist auch Teil eines mehrjährigen Kalenders, den die Designerin Danuta Drwecki mit den Urbanisten gestaltet hat. Sie nimmt darin Fotos von Sabrina Richmann auf, die ehemalige Stahlarbeiter zeigen. Der Kalender soll ein Symbol für die Menschen sein, die das Areal in den letzten Jahrzehnten geprägt haben und die nun nicht vergesse werden sollen.

Die bildende Künstlerin Babette Martini untersuche in ihrer Arbeit „Spurensicherung Arbeitsstätten“ 2016 per Frottage-Technik die Arbeistkleidung ehemaliger HSP-Mitarbeiter. Die Menschen im Viertel hat Fotograf Daniel Sadrowski in seiner Arbeit „Status Quo“ 2016 dokumentiert. Eine Collage des Sounds des Viertels und was die Menschen unter Heimat verstehen hat Künstlerin Silvia Liebig erstellt. Den Bäumen im Viertel auf der Spur war Fotograf Gerhard Kurtz.

Durch eine Kooperation mit dem Dortmunder Theaterfestival FAVORITEN mit Förderung durch die Kreativ.Quartiere Ruhr konnten vier Residenzen im Sommer 2018 stattfinden. Sie erforschen unter dem Titel Work at Werk Union welche überhörten Geschichten, utopischen Realitäten und Zukünfte sich hinter dem satten Grün finden oder erfinden lassen.

Working Class Daughters: Als erste Gruppe bezogen Kristina Dreit, Karolina Dreit und Anna Tzpis im Juni Stellung auf dem Areal und wollen die Stimmen der ehemaligen Arbeiterinnen hörbar machen: Was haben die Mütter, Großmütter und Tanten bei der industriellen Arbeit erlebt und wie haben sich diese Erlebnisse in die Familiengeschichte übertragen? „Für Brot und Rosen“ – lautete 1911 die Parole streikender Arbeiterinnen in New York. Es war der Ruf für gemeinsame Forderungen und Solidarität in den feministischen Arbeitskämpfen. Welche Rückkopplungen hat es bei den Arbeiterinnen in Dortmund gegeben? Und welche Arbeitsabläufe wurden in die Körper eingeschrieben?

Terra Incognita: Einen Ausblick auf die Hoffnungen hinter dem Grün wagen Negar Foroughanfar, Dorothee Haller, Christian Behrens und Moritz Kotzerke. Das vierköpfige Team aus dem Heterotopia-Studiengang der Folkwang Universität Essen erklärt das Gelände der Werk Union kurzerhand zum Kap der guten Hoffnung und entwirft eine mobile Versammlungs- und Ausguckstation für zu gewinnende und verloren gegangene Hoffnungen. Sie fragen, inwiefern die in die Künstler*innen gesetzte Hoffnung in Stadtplanungsprozessen überhaupt sinnvoll oder stattdessen immer schon zum Scheitern verurteilt ist. Die Hoffnungsvorkommen des Geländes tragen die Vier in einer Lost- & Found-Station zusammen, ihr gezimmerter Ausguck dient ihnen als Ankerpunkt, Werkzeugkiste und Bühne für öffentliche Momente.

Den Boden frei lassen: Die beiden Tänzer und Choreographen David Guy Kono und Antoine Effroy begreifen den jetzigen Zustand des Geländes als eine Zwischenzeit: Zwischen vergangener Stahlindustrie und zukünftiger Siedlung steht der Boden auf diesem Gelände frei. Was wäre, fragen sie aus einer postkolonialen Perspektive, wenn wir den biblischen Befehl „Mach dir die Erde untertan“ ablehnten? Was wäre, wenn wir den Boden frei ließen und die westliche Ausbeutung des Bodens aufgäben – ihn nicht ausbeuten, ver/kaufen oder ihm Ressourcen entnehmen – und stattdessen jenen Boden als kamerunisches Dorf dächten? Welches Land, welches Leben wäre da in Sicht? Dies wollen die Zwei im Dialog mit den Anwohner*innen herausfinden und kommen mit Neugier und eigenen Erfahrungen in der Nachbarschaft vorbei.

Rosa Wolken: Wenn sich im Sommer auf der Rheinischen Straße zum Grün der Baumkronen rosa Wolken gesellen, kann das nur eine transzendente Aktion von Vesela Stanoeva und Christian Bröer sein, die die Bäume in ihrer mythischen Erhabenheit feiern und unsere Vorstellungskraft beflügeln – luftiger als jedes Nashorn das je könnte. Spätestens dann gerät der weiße Fleck auf der Landkarte für einige Sekunden in Vergessenheit, denn sattes Rosa umwölktuns.

Der erste Schritt, den die Urbanisten im Herbst 2015 unternommen haben, war die Organisation des SEiSMiC-Forums. Hier haben wir uns vom 21. bis 22. April 2016 mit verschiedenen internationalen Fachleuten, begleitet durch die Humbold Universität Berlin und die Zukunftsakademie NRW, zusammengesetzt, um über und das HSP-Areal als Möglichkeitsraum und Stadtentwicklung zum Selbermachen öffentlich zu diskutieren. Danach forderten wir die Stadtverwaltung auf, Informationen zum Verkauf und der möglichen Weiterentwicklung des HSP Areals öffentlich zu machen.

Den ersten Aufschlag gab es dazu im Nordwärts Quartierscafé im Haus der Vielfalt am 14. November 2016, den wir moderiert haben. Dabei ging es hauptsächlich darum, die Menschen im Quartier zu informieren und zu schauen, welche Themen dabei angesprochen werden. Weil viele Leute Interesse an der Entwicklung des riesigen Gebiets zeigten, haben wir Urbanisten am 7. Dezember 2016 einen Beteiligungsprozess organisiert (ca. 60 Personen im Verteiler) und arbeiten seitdem regelmäßig mit einer offenen Arbeitsgruppe am Thema (ca. 15 Personen im Verteiler).

Gestartet hat die Arbeitsgruppe Neue Werk Union im Frühjahr 2017 mit der Recherche und Aufarbeitung von Informationen zu Geodaten, historischen Plänen, Luftbildern und der Entwicklung einer kleinteiligen Entwicklungsstrategie, die schützend auf Besonderheiten des Geländes reagiert (Verhinderung von Schrottimmobilien an sofort nutzbaren Standorten am Rande des Areals). Die Ergebnisse haben wir am 23. Februar 2017 präsentiert: Beim Info-Abend haben wir Urbanisten zum zweiten mal alle Interessierten und die Stadtverwaltung eingeladen, sich über den Planungsprozess auszutauschen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man diesen bereits heute durch Zwischen- und Pioniernutzungen gestalten kann. Knapp 60 Menschen haben sich in der Werkhalle zu den Themen IGA, Wohnen, Standortanalyse und Möglichkeitsräume ausgetauscht.

Am Tisch mit aktuellen und alten Karten sowie Luftbildern wurde angeregt diskutiert und konkrete Ideen oder Visionen für besondere Orte konnten entwickelt werden. Die hoch aufgelösten Luftbilder halfen, sich einen Überblick über die bis jetzt noch verschlossene Welt zu verschaffen. Es wurde gerätselt, was sich hinter den großen Lagerhallen im „Inneren“ des Geländes befindet. Insgesamt wurde deutlich, dass eine Begehung dringend notwendig ist, um erste Nutzungsideen weiter voran zu treiben.

Die Darstellung eines möglichen Prozesses zur Entwicklung des Geländes verdeutlichte eine interessante Smybiose aus informellen (nutzergetragen) Aktivitäten und formellen Abläufen (Verwaltungsverfahren, klassische Bürgerbeteiligung). Besonderen Stellenwert hätte hierbei die Einrichtung einer Anlaufstelle für sämtliche Akteure, also interessierte Bürger und Unternehmen. Hier wurde unter dem Titel „Ideenbox“ der Bedarf eines Informations- und Kommunikationsorts für das Quartier deutlich.

Des Weiteren wurde das Thema „Selbstgebaute Stadt“ von den Teilnehmenden angeregt diskutiert. Dabei kam immer wieder die Frage auf: Ist es wünschenswert oder überhaupt möglich, für ein kleines Areal auf der HSP-Entwicklungsfläche keine Nutzung festzulegen und stattdessen nutzergetragene laborartige Entwicklungen unter Nutzung des kreativen/innovativen Potentials im Unionviertel auszuprobieren? Das könnten Reallabore als Möglichkeitsräume für neue Lebensgemeinschaften und Güterkreisläufe sein oder als Raum für Innovationen, für etwas Neues und Besonderes in der Stadt Dortmund.

Am 1. Juni 2017 fand die erste Begehung des Areals mit der Thelen-Gruppe und der Stadtverwaltung statt und die Ideen von Möglichkeitsräumen wurden mit allen Interessierten am 7. Juni 2017 bei einem Themen-Abend weiterentwickelt. Dabei sind verschiedene konkrete Ideenblätter einzelner Akteure entstanden. Diese beinhalten neben temporären und langfristigen Nutzungen von Bestandsgebäuden auch Interventionen in den öffentlichen Raum und die pionierartige Aneignung von Freiräumen um zur sozialen und innovativen Stadtentwicklung beizutragen.

Im Herbst 2017 haben wir diese umfassende Projektseite erstellt, uns den Namen „Neue Werk Union“ gegeben und sind auf die Eigentümergesellschaft Thelen-Gruppe zugegangen. Im Oktober gab es das erste Kennenlerntreffen zwischen Neuer Werk Union und Thelen-Gruppe und im November die erste Begehung der Verwaltungsgebäude, die wir mit dem Ziel verfolgten, die Produktion von Schrottimmobilien zu vermeiden. Es gibt viele Ideen für die Nachnutzung der Gebäude, die teilweise kurzfristig (Atelier- und Büroräume) als auch mittel- und langfristig (Kita Mini-Urbanisten) umsetzbar sind und von z.T. regionalbedeutenden Instituten verfolgt werden würden und damit für das Unionviertel und die Stadt von hoher Bedeutung wären.

Am 18. Januar 2018 gab es ein Treffen der großen Arbeitsgruppe, zu dem alle eingeladen wurden, von denen wir bislang die Emailadressen gesammelt haben (83 Menschen). Gestartet haben wir das Treffen mit einem Rückblick über unsere Aktivitäten im Jahr 2017, zu der auch das Kennenlerntreffen zwischen der Arbeitsgruppe und den Käufern des Geländes, der Thelen-Gruppe gehörte. Schwerpunktthema des Treffens war die Vorstellung der temporären Kunst- und Stadtentwicklungsprojekte zum Areal. Dazu gehören bspw. die Ausstellungen der KünstlerInnen Babette Martini, Sabrina Richmann und Eisenhart Keimeyer sowie die Party des internat. PlanerInnentreffens unter der Brücke an der Huckarder Straße. Im Anschluss sammelten wir im Rahmen eines World-Cafés mit der Fragestellung „Was macht einen gut funktionierenden Stadtteil aus?“ vertieft Ideen zu den drei Schwerpunktthemen Gebäude/Architektur, Freiraumentwicklungen, Prozesse/Konzepte/Visionen.

 

Am 19. April 2018 haben wir die aktuell 134 Menschen im Verteiler, darunter auch viele interessierte Fachplaner, zu einer neuen Werk Union Veranstaltung unter dem Motto „Von Möglichkeiten und bisherigen Ideen im Dialog“ eingeladen. Der Bezirksbürgermeister Innenstadt-West Dortmund, StadtBauKultur NRW, die Stadt Dortmund, die Bahnhof Mooskamp GmbH, die reicher haase assoziierte GmbH und Urbane Künste Ruhr haben einen Input eingebracht und mit den Teilnehmenden diskutiert: Kommt Bewegung in die Werk Union und nutzen wir die Chance, einen einzigartigen Stadtteil zu entwickeln?

Mitglieder der Arbeitsgruppe Neue Werk Union haben am 8. Juni 2018 an einer Begehung teilgenommen, die von Nordwärts durchgeführt wurde. Diese lud zwar damit ein, dass es schon viele Entwicklungsideen gibt, über diese wurden aber bei der Führung nicht gesprochen. Auch wurde durch ein Gespräch im Anschluss mit Stadt und Themen-Gruppe deutlich, dass ihren Auffassungen nach Anregungen der Neuen Werk Union nicht im Austausch deutlich gemacht oder umgesetzt werden müssen. Dabei handelte es sich konkret um die Organisation von öffentlichen Begehungen, die Anmietung von Leerständen als kreative Arbeitsplätze, die Ansiedlung eines europäischen Projekts zu urban Farming oder den allgemeinen Austausch zu unserer Meinung nach erhaltenswerten Elementen wie bspw. dem Garagenhof oder dem westlichen Pförtnergebäude.

Laut Ruhrnachrichten vom 11.6.18 war die Zukunft des Areals noch ungewiss. Am 21.6.18 wurde jedoch der Rahmenplan veröffentlicht, der von den Ruhrnachrichten als „Der Bruder des Phoenix-Sees“ tituliert wurde. Ähnlich wie der zuvor bei den Info-Abenden gezeigt wurde, beinhaltete er bekannte Nutzungsareale, die durch einfach gesetzte Häuser und Andeutungen von Wegen ergänzt wurden. Im Rat soll dieser in der Vorlage zur IGA 2027 am 12.6.18 zur Kenntnis genommen werden. Das in der Drucksache 11438-18 geschrieben wird, dass es im Mai 2018 einen Workshop gab, „um sich mit Eigentümern und vor Ort aktiven Partnern intensiv über Entwicklungsperspektiven, Potenziale und Kooperationsmöglichkeiten auszutauschen“ revidieren wir. Weder mit Neuer Werk Union als aktive Gruppe vor Ort noch mit dem Union Gewerbehof als wichtigen Eigentümer vor Ort, wurde das Gespräch gesucht. Es bleibt abzuwarten, wie dieser Prozess weitergeht. Ein Treffen um den Rahmenplan zu besprechen, ist für den 11.Juli 2018 angedacht.

Die Besprechung des Rahmenplans haben wir in drei Schritte gegliedert: Am 11. Juli 2018 haben wir den Auftakt gestaltet und uns im Detail mit dem Rahmenplan beschäftigt. Es gab vor allem die Kritik, dass er sehr steril, sehr geradlinig, wenig organisisch, wenig innovativ auf den ersten Blick erscheint. Eine räumliche Kombination von Gewerbe und Wohnen oder innovativen Nutzungen (urbane Produktion, tiny houses, Aquaponik u.ä.) in Kombination mit einer innovativen Landschaftsgestaltung ist nicht erkennbar. Zudem gab es viele Fragen zum Bassin (u.a. Regenwassermanagement, Zugänglichkeit, Gestaltung, Zielgruppe, Nutzung).

Ein zweites Treffen zum Rahmenplan haben wir am 29. August 2018 im Union Gewerbehof veranstaltet, bei dem Ideenskizzen konkretisiert wurden und allgemein über den Rahmenplan und konkrete Anregungen dazu gesprochen wurde. Kurzweilige drei Stunden mit vielen spannenden Ideen und Informationen brachten neue Energie in den Arbeitsprozess, der sich nach drei Jahren ehrenamtlicher Arbeit und schwindenden Mitgliedern aktuell als äußerst mühsam gestaltet.

Als drittes Element zur offenen Besprechung des Rahmenplans haben wir eine Mitmachen-Ausstellung auf dem Hoffest des Union Gewerbehofs am 9.9.18 in Kooperation mit dem Tag des offenen Denkmals organisiert. Hier konnten viele Menschen über das Projekt informiert werden – das Interesse war rege –  und ein Meinungsbild zum Rahmenplan erstellt werden. Dieses werden wir bis Ende September für Verwaltung und Politik aufbereiten und es um die bisherigen konkreten Ideenskizzen und Anregungen ergänzen. Das Papier wird auch über den Verteiler Neue Werk Union verschickt werden (aktuell 179 Kontakte).

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Wer gerne mitmachen oder mehr mitbekommen möchte, kann sich unter neuewerkunion@dieurbanisten.de melden. Das Projekt ist nur so stark, wie es die Gruppe ist, denn wir arbeiten alle ehrenamtlich und nichts passiert von allein. Wir freuen uns über jede_n Dazukommende_n!

Bildquellen: Union Gewerbehof, die Urbanisten e.V. und Ausschnitte aus dem Entwurf 02 im Master Raumplanung: Planernachwuchs entwirft Zukunft: Informeller Urbanismus (Stephan Willinger, Pävi Kataikko-Grigoleit), Team: Elise Carletto, Linda Hinz, Carina Perdux und Amir Schulte

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